Digital Twin – Digitization of Maps
Die Fachhochschule Potsdam (FHP) und die Technical University of Kenya (TU-K) entwickeln einen offenen Workflow zur Digitalisierung historischer Karten aus den Beständen der Kenya National Archives and Documentation Services (KNADS).
Technical University of Kenya (TU-K)
Überblick
Das Projekt »Digital Twin« stärkt die internationale Kooperation zwischen der Fachhochschule Potsdam und der Technical University of Kenya in Nairobi. Gemeinsam wurde ein modulares Konzept zur Digitalisierung von geografischen Karten entwickelt. Im Rahmen einer gemeinsamen Autumn School wurden historische Karten aus den Beständen der Kenya National Archives and Documentation Services digitalisiert, die Digitalisate verarbeitet und angereichert sowie notwendige Schritte für eine öffentliche Zugänglichmachung identifiziert und diskutiert. Der prozessorientierte Ansatz mit mehreren Digitalisierungstools ermöglicht nicht nur den Wissenstransfer zwischen Institutionen und Studienprogrammen, sondern legt die Grundlage für ein nachhaltiges, strukturiertes Netzwerk zwischen der Fachhochschule Potsdam und der Technical University of Kenya, als Basis für künftige Kooperationen.
Ziele
Ziel des Projektes war es, einen Workflow zur Digitalisierung und Sicherung historischen Kartenmaterials zu erschließen. Dafür wurde ein reproduzierbares Verfahren entwickelt, das technische, archivische und organisatorische Anforderungen zusammenführt. Gleichzeitig dient das Projekt als Plattform für den internationalen Austausch von Methoden, Technologien und Kompetenzen und schafft damit die Grundlage für langfristige Kooperationen mit Fokus auf die Digitalisierung von Kulturgütern.
Ergebnisse
Physische Vorbereitung und qualitätsgesicherte Digitalisierung
Historische Karten aus den Beständen der Kenya National Archives and Documentation Services wurden gesichtet, ausgewählt und konservatorisch vorbereitet. Erhaltungszustände, Reinigungs- und Reparaturmaßnahmen sowie geplante Sicherungsschritte wurden als Preservation Metadata dokumentiert. Anschließend erfolgte die fotografische Digitalisierung mit standardisiertem Kamera- und Licht-Setup sowie systematischer Qualitätskontrolle. Aus den Aufnahmen entstanden hochauflösende digitale Reproduktionen. Aus Speichergründen wurden anstelle der ursprünglich geplanten TIFF-Dateien JPEG2000-Dateien als Master-Dateien verwendet und als Sicherungsdigitalisate in die SIPs integriert. Die daraus erzeugten zusammengesetzten Karten stellen qualitätsgesicherte digitale Repräsentationen dar.
Strukturierter Digitalisierungs- und Verarbeitungsworkflow
Es wurde ein durchgängiger und reproduzierbarer Workflow entwickelt, der alle Schritte von der fotografischen Erfassung der Karten über die Verarbeitung der RAW-Dateien bis zur Erstellung qualitätsgesicherter Nutzungsderivate umfasst. Aus segmentierten RAW-Aufnahmen wurden vollständige Karten zusammengesetzt; der integrierte Prozess kombiniert manuelle und automatisierte Verfahren, organisiert das Stitching, sichert technische Metadaten und gewährleistet eine systematische Qualitätskontrolle. Der Workflow basiert auf Free and Open Source Software (FOSS) und orientiert sich an archivischen Best Practices, unter anderem an der LOC-BagIt-Spezifikation, um eine Übertragbarkeit auf weitere Archive und Projekte zu ermöglichen.
Metadaten-Set und Georeferenzierung für Forschung und Nutzung
Für die digitale Nutzbarkeit wurden verschiedene Metadatenarten zusammengeführt. Technische und konservatorische Metadaten aus den vorherigen Prozessschritten wurden mit den bestehenden beschreibenden Metadaten aus der Archivdatenbank ergänzt und auf Dublin Core gemappt (inkl. kartenspezifischer Vokabulare). Zusätzlich wurden die Karten in QGIS mithilfe eines OpenStreetMap-Plugins georeferenziert und als GeoTIFF bereitgestellt, als Basis für Vergleich, Kontextualisierung und Analyse (z. B. Veränderungen von Nutzung, Straßenverläufen oder geopolitischen Grenzen).
Offene Bereitstellung, Fair-Prinzipien und Transfer
Im Hinblick auf eine nachhaltige Sicherung und offene Bereitstellung der digitalen Karten wurden strukturierte Datenablagen entwickelt und organisatorische Konzepte im Sinne der FAIR-Prinzipien berücksichtigt. Fragen der Repositorienstruktur, persistenter Identifikatoren (PIDs) sowie möglicher Schnittstellen zwischen den Prozessstationen wurden im Projektkontext behandelt und konzeptionell vorbereitet. Parallel wurden Anwendungsszenarien wie Map-Overlay-Verfahren, Navigationspfade und Annotationen exemplarisch erprobt. Prozesse, Methoden und Ergebnisse wurden projektintern dokumentiert und im Rahmen einer Präsentation im National Museum of Kenya vorgestellt. Die im Projekt entwickelten Strukturen dienen als Grundlage für eine Weiterentwicklung in zukünftigen Vorhaben.