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Auslandssemester in den Frankreich an der La Martinière Diderot Lyon – Bachelor Kommunikationsdesign

Sarah studiert an der FHP Kommunikationsdesign (B.A.). Ihr Auslandssemester hat sie an der Partnerhochschule La Martinière Diderot Lyon verbracht. Hier berichtet sie von ihrem Auslandsaufenthalt im Wintersemester 2024/25.

Format:
Studium
Einrichtung:
La Martinière Diderot Lyon
Zeitraum:
-
Fachbereich:
Fachbereich Design

Sarahs Auslandssemester in Frankreich

Wieso wolltest du ein Auslandssemester machen?

Zum einen war mir schon immer klar, dass ich während meines Bachelors auch einmal für die berühmt-berüchtigte Horizonterweiterung ins Ausland möchte, um eventuell noch einmal einen anderen Blickwinkel auf mein Studium zu bekommen. Zum anderen hatte ich Frankreich schon bei vergangenen Urlauben sehr lieb gewonnen und hatte Lust, neue Leute kennenzulernen, mich in ungewohnte Situationen zu begeben und persönlich, sprachlich und fachlich zu wachsen.

Wie hast du dich vorbereitet?

Tatsächlich hatte ich mich ursprünglich auf ein anderes Land beworben, Frankreich war meine Zweitwahl. Trotzdem glaube ich, dass mein Auslandssemester kaum schöner hätte sein können, und ich bin sehr dankbar dafür. Der Bewerbungsprozess war dank des Erasmus+ Raums relativ unkompliziert, es mussten aber natürlich noch einige Anträge und Formulare eingereicht werden. Zur weiteren Vorbereitung habe ich einen Französisch-Auffrischungskurs an der Uni Potsdam belegt, der mir geholfen hat, nicht ganz planlos zu sein, wenn ich ankomme, da der Unterricht auch auf Französisch war. Während des Aufenthalts habe ich keinen weiteren Sprachkurs besucht. Um nach Lyon zu fahren, habe ich die Green-Travel-Option genutzt und bin mit Sack und Pack mit dem Zug gen Süden gereist. Ein Visum ist für Frankreich nicht nötig.

Wie lief die Wohnungssuche?

Die Wohnungssuche sollte man sich bei mir nicht abschauen, da ich gänzlich unvorbereitet umgezogen bin. Ich hatte zum Zeitpunkt meiner Anreise keine Ahnung, wo ich das Semester über wohnen würde, sondern nur ein Bett für zwei Wochen in einem Mehrbettenschlafsaal in einem empfehlenswerten Hostel. Während dieser ersten zwei Wochen haben meine Kurse bereits gestartet, und sowohl Kommiliton*innen als auch Lehrer*innen haben sich darum bemüht, mir bei der Unterkunftssuche zu helfen. Nach einer Woche war ich mit zwei französischen Kommilitoninnen in einem Café direkt neben der Hochschule, diese haben die Inhaberin spontan um Hilfe bezüglich meiner Situation gefragt. Die Inhaberin hat im Endeffekt Rückmeldung von einem ihrer Nachbarn bekommen, dass er ein freies Zimmer zu vermieten hat. So konnte ich ihn kurzfristig kennenlernen und auch die Wohnung bzw. mein Zimmer besichtigen. Alles im Beisein meiner Kommilitonin, damit sie übersetzen konnte, da die Sprachbarriere zu dem Zeitpunkt noch relativ hoch war.

Schlussendlich war das eine super Lösung, da ich relativ kurzfristig eine bezahlbare Unterkunft gefunden habe, bei einem jungen Vater mit seiner Nichte, wobei beide nur drei bis fünf Tage die Woche da waren und ich am Wochenende die zweigeschossige Wohnung mit privater Dachterrasse komplett für mich hatte. Genau so war es super. Diese Vorgehensweise ist nur nichts für Menschen mit Planungsbedürfnis.

Wie war es, an der Partnerhochschule zu studieren?

Es gab an der Hochschule selbst keine Einführungsveranstaltung, nur eine Art Projektwoche. Die Klasse bestand aus 15 Personen, und diese kannten sich bereits alle aus den Jahren davor. Ich wurde dann neu kennengelernt, und das am Anfang in Workshops und spaßigen kleinen Projekten, bei denen alle Jahrgänge zusammengearbeitet haben. Im Endeffekt bestanden meine Kurse aus einer Mischung aus zwei Jahrgängen, und beide Klassen waren extrem lieb und integrativ. Meine Kommiliton*innen waren zwar alle ein bis drei Jahre jünger, was in Deutschland normalerweise bei mir andersherum der Fall ist, aber das hat niemanden interessiert. Fachlich gesehen habe ich nicht allzu viel Neues gelernt, außer bei einem Blender-Workshop. Ich hatte vier Tage die Woche Unterricht, jeweils vier bis neun Stunden am Tag. Viel davon war allerdings stille Alleinarbeit. Wöchentlich gab es kurze Besprechungen mit den Professor*innen bezüglich der Projektentwicklung, gearbeitet wurde vor Ort in der Hochschule. Am Ende des Semesters gab es eine "große" Abschlusspräsentation vor drei Professor*innen, bei der man alle erarbeiteten Ergebnisse des Semesters – wohlgemerkt auf Französisch – präsentiert hat (ähnlich wie ein Kolloquium). Die Arbeitsatmosphäre dort war von allen Parteien aus wirklich betont herzlich und unterstützend.

Wie hoch waren die Lebenshaltungskosten? Welche Freizeit- und Sportangebote hast du genutzt?

Allumfassend würde ich schätzen, dass ich durchschnittlich Ausgaben von circa 800,00  bis 1.000,00 Euro im Monat hatte. Für meine Unterkunft habe ich monatlich 500 Euro gezahlt. Einkäufe waren etwas teurer als in Deutschland, wobei es einen deutlichen Unterschied macht, wo man einkauft. Die kleinen Läden im Stadtinneren sind jedoch meist ziemlich teuer. Daher habe ich fast täglich gutes Baguette mit Brie und Gurke sowie etwas Selbstgekochtes gegessen. Freizeitaktivitäten wie Cafés, Restaurants (Bouchons), Bars, (Boulder-)Gyms, Clubs oder Shoppen muss natürlich jede*r selbst entscheiden. Ich hatte eigentlich täglich Unternehmungen und auch Städtetrips an Wochenenden (Montpellier, Annecy, Grenoble, Chamonix), wodurch zusätzliche Kosten aufgekommen sind, was ich aber jedem ans Herz legen würde. Eine ganz große Empfehlung an der Stelle ist definitiv, sich bei ESN Lyon anzumelden und der WhatsApp-Community beizutreten. Sie organisieren wöchentlich einen Apero-Abend zum Kennenlernen Gleichgesinnter und bieten Dinge wie Wanderungen, Picknicks, Sportgruppen und Vergünstigungen an. Ich habe über deren Events innerhalb von drei Tagen meine Freundesgruppe für meinen gesamten Aufenthalt kennengelernt, mit denen ich immer noch in Kontakt stehe. Eine sehr tolle Sache. Für alle, die gerne laufen gehen, ist Lyon ein kleines Paradies, und auch die Barkultur ist dort sehr süß und vielfältig. Ich habe mich ein bisschen in die Stadt verguckt, deswegen kann ich eigentlich alles empfehlen.

Fazit und Tipps

Ich kann ein Auslandssemester und auch die Stadt Lyon wirklich nur empfehlen. Ich hatte mir immer ausgemalt, wie es wohl werden würde, aber meine Erwartungen wurden definitiv übertroffen. Auch in Lyon an sich war ich vorher noch nicht gewesen und hatte ein bisschen Angst, dass mir die Stadt nicht gefällt. Aber innerhalb der ersten zwei Wochen habe ich mich echt wohlgefühlt. Ich hatte schnell Freunde gefunden, die ich bis zum Ende regelmäßig getroffen habe und die natürlich auch dazu beigetragen haben, dass die ganze Erfahrung so schön wurde. Ich war einfach happy, dort zu sein. Lyon würde ich als eine Mischung aus Berlin, Potsdam, Hamburg und Porto beschreiben (falls das jemandem hilft). Das Studium an sich war dort weniger einnehmend, aber trotzdem fördernd, und die Atmosphäre an der Hochschule war sehr angenehm. Auch wenn ich in beruflichen Kompetenzen nicht besonders viel dazugelernt habe, habe ich es auf jeden Fall in sprachlicher und menschlicher Hinsicht. Natürlich wären für einen Aufenthalt in Frankreich Französischkenntnisse von Vorteil, allerdings habe ich dort auch viel auf Englisch kommunizieren können. Ansonsten noch einmal der Tipp, sich bei einer Organisation wie ESN anzumelden oder sich ab und zu ein Wochenende zur Erkundung der Umgebung freizunehmen – das wertet das Erlebnis meiner Meinung nach noch einmal auf. Ich bin sehr dankbar für die Möglichkeit, im Ausland studieren zu dürfen, und würde auch gerne noch einmal etwas Vergleichbares im Rahmen eines Praktikums machen.