Direkt zum Inhalt Direkt zur Hauptnavigation Direkt zum Fußbereich

Auslandssemester in dem Vereinigten Königreich an der University of Westminster – Bachelor Soziale Arbeit

Emily studiert an der FHP Soziale Arbeit (B.A.). Ihr Auslandssemester hat sie an der Partnerhochschule University of Westminster in London verbracht. Hier berichtet sie von ihrem Auslandsaufenthalt im Wintersemester 2024/25.

Format:
Studium
Einrichtung:
University of Westminster
Zeitraum:
-
Fachbereich:
Fachbereich Sozial- und Bildungswissenschaften

Emilys Auslandssemester im Vereinigten Königreich

Wieso wolltest du ein Auslandssemester machen?

Ich habe im Rahmen meiner Werkstatt "Rausch, Sucht und Soziale Arbeit" im 2. Semester an einer Exkursion nach England an die University of Westminster (UoW) teilgenommen. Dort besuchten wir Andreas Aresti, einen Professor für Kriminologie am Fachbereich der Sozialwissenschaften an der UoW und haben durch ihn interessante Einblicke in das englische Uni-Leben, aber eben auch in ein neues Fach und das Studium der Kriminologie erhalten. Andy stellte uns außerdem sein Projekt "Prison-to-University-Pipeline" vor. Im Rahmen dieses Projektes können Inhaftierte durch Bildungsangebote die Möglichkeit erhalten, sich akademisch weiterzubilden, um nach ihrer Entlassung ein Studium aufzunehmen. Ziel des Projekts ist es, die Rückfallquote zu senken, Perspektiven zu schaffen und den Zugang zu höherer Bildung auch für marginalisierte Gruppen zu ermöglichen. Es finden also wöchentlich Lehrveranstaltungen zwischen Studierenden und den Gefangenen statt, in denen sich beide Gruppen auf Augenhöhe begegnen und gemeinsam lernen. Ich fand dieses Projekt unglaublich spannend und inspirierend und hatte sehr viel Lust noch mehr über die Kriminologie und vor allem die Schnittpunkte zur Sozialen Arbeit zu erfahren. Dazu kommt, dass London eine unglaublich tolle Stadt ist, die extrem divers ist, eine vielfältige Kulturszene hat und generell sowohl auf einer akademischen als auch auf einer persönlichen Ebene extrem viel zu bieten hat.

Wie hast du dich vorbereitet?

Erst einmal muss man sich hochschulintern, beim International Office, für einen Platz an der Partneruni bewerben. Sobald man die Zusage erhält, beginnt der Bewerbungsprozess an der Partnerhochschule. Jede Universität hat dazu meistens ihr eigenes Portal, das von der University of Westminster war sehr einfach zu bedienen. Neben unzähligen Angaben zur Person muss man bei der Bewerbung bereits seine Kurswahl tätigen (drei Kurse als Erstwahl und drei verschiedene als Zweitwahl). Die UoW veröffentlicht jedes Jahr ein sehr übersichtliches Modulhandbuch, in dem die Kurse beschrieben werden (inklusive ECTS). Oft stehen dort auch schon Information zur Art und zum Umfang der Prüfungsleistungen. Im Endeffekt habe ich nicht alle Kurse bekommen, die ich wollte, aber das war für mich total in Ordnung und im Endeffekt habe ich mich sogar gefreut. Ich denke also schon, dass es wichtig ist, bei der Kurswahl eine gewisse Flexibilität und Offenheit zu behalten. Außerdem musste ich bei der Bewerbung auch die angeforderten Sprachnachweise (in meinem Fall genügte mein englisches Abitur noch als Nachweis) einreichen, ich glaube, Sprachnachweise kann man aber gegebenenfalls auch nachreichen. Logischerweise finden an der University of Westminster in England alle Kurse auf Englisch statt und ich hatte das Gefühl, das Sprachniveau war verständlich und man konnte den Lehrenden gut folgen. Neuerdings muss man für die Einreise nach England im Vorhinein eine Electronic Travel Authorisation (ETA) beantragen (ca. 20 Euro).

Wie lief die Wohnungssuche?

Ich hatte mir vorher vorgenommen, möglichst nicht in ein Studierendenwohnheim zu ziehen, weil ich meinen persönlichen Fokus auf den interkulturellen Austausch mit Menschen, die ihren tatsächlichen Lebensmittelpunkt in London haben, legen wollte. Ich denke, die internationalen Erfahrungen, die man dort sammelt, können aber auch sehr wertvoll sein. Man konnte sich bereits im Bewerbungsprozess auf Student Housing der University of Westminster bewerben und auch Präferenzen zum Standort angeben. Leider ist die Wohnungssituation in London wirklich schlimm und die Preise extrem hoch. Für Studierendenwohnheime zahlt man an der UoW im Schnitt 250 Pfund pro Woche, und auch bei der Suche nach WGs muss man teilweise ganz schön tief in die Tasche greifen. Ich glaube, es kommt auch immer sehr auf die Lage an, und weiter außerhalb wird es dann natürlich irgendwann günstiger. Allerdings finde ich, man sollte auch bedenken, dass die Transportkosten in London ebenfalls extrem teuer sind (Fun Fact: weltweit am höchsten), weswegen man natürlich mehr für den Transport bezahlt, wenn man weiter draußen wohnt, und sich das dann in gewisser Weise ausgleicht. Ich hatte Glück und habe meine WG über Instagram gefunden (eine gute Seite heißt Friends of Friends). Ansonsten sind Webseiten, Online-Portale (zum Beispiel SpareRoom) oder Facebook-Gruppen, glaube ich, auch keine schlechte Idee. Eine Kommilitonin hatte ihre Wohnung damals zum Beispiel über eine Gemeinde beziehungsweise Community gefunden.

Wie war es, an der Partnerhochschule zu studieren?

Insgesamt war ich sehr zufrieden mit meiner Kurswahl, den Studieninhalten und der Unterstützung durch die Partnerhochschule. Besonders die Anfangsphase wird durch Info-Veranstaltungen und viele Informationsschreiben erleichtert. An der University of Westminster studiert man offiziell am Fachbereich der Social Sciences, was heißt, dass man sich Kurse aus folgenden Themenbereichen aussuchen kann: Kriminologie, Psychologie, Soziologie und Politikwissenschaften. Ich habe meinen Schwerpunkt auf die Kriminologie gesetzt und zwei Kurse mit jeweils zehn ECTS belegt:

  1. Gender, Crime and Justice
  2. Race, Power and Criminal Justice

Beide kann ich sehr empfehlen.

Grundlegend setzen sich die Module immer aus einer Vorlesung (eine Stunde) und einem Seminar zusammen, in dem die Vorlesungsinhalte vertieft werden (zwei Stunden). Meistens muss man sich auf beides vorbereitend durch Lesen einstellen (wie viel Zeit und Arbeit man da hineinsteckt, ist einem selbst überlassen). Das Semester ist in England deutlich kürzer. Semester eins (Wintersemester) fängt Mitte September an und endet Mitte Januar. In der Regel wird es zweigeteilt, und zur Hälfte wird die erste Prüfungsleistung fällig und zum Ende die zweite. Prüfungsleistungen sind immer unterschiedlich, meistens sind es aber keine Klausuren, sondern eher Essays, Vorträge, Consultations et cetera, die man einreichen muss. Ich habe die Dozierenden als sehr unterstützend und offen für Fragen wahrgenommen.

Wie hoch waren die Lebenshaltungskosten? Welche Freizeit- und Sportangebote hast du genutzt?

London ist leider eine extrem teure Stadt, und ich kann sagen, dass ich mit dem Erasmus-Stipendium und Auslands-BAföG gerade so über die Runden gekommen bin. Allein für Miete plus Wasser, Strom und Fahrtkosten ist man im Monat schon einmal 1.000 Euro los. Ich denke schon, dass man irgendwann Strategien entwickelt, hier und da ein bisschen Geld zu sparen (günstige Supermärkte und Essensmärkte wie Lidl oder Aldi, Studierendenrabatte, kostenlose oder kostengünstige Kulturangebote für junge Erwachsene, zum Beispiel Tate Collective). 

Leider dürfen wir mit unserem Standard Visitor Visa auch nicht arbeiten. Die University of Westminster versucht, die Studierenden so gut es geht zu unterstützen und bietet jeden Morgen ein kleines kostenloses Frühstück an. Außerdem gibt es ein riesiges Freizeit- und Sportprogramm, das für Studierende komplett kostenlos ist. Es gibt ein Gym, das man kostenfrei nutzen kann, und die Sportkurse (von Muay Thai über Volleyball, Tanzen und Pole-Dancing bis hin zu Ice-Skating) finden mehrere Male die Woche statt. Zusätzlich zu den ganzen Sportclubs gibt es auch viele verschiedene Societies, denen man sich anschließen kann (zum Beispiel für Psychologie, religiöse Vereinigungen, Theater oder Kunst), wo man schnell Kontakte zu Mitstudierenden knüpfen kann. Diese bieten ein großes Angebot, das den rein akademischen Umfang des Studierens übersteigt. Ich denke, da ist auf jeden Fall für jede*n etwas dabei, und wenn es einmal nicht so gut geht, bietet die Uni auch Sprechstunden et cetera an, um gemeinsam nach Lösungen zu schauen.

Fazit und Tipps

Für mich war mein Auslandsaufenthalt eine unglaublich wertvolle Erfahrung. Die University of Westminster und vor allem mein fachlicher Fokus auf die Kriminologie haben mir sehr gut gefallen und es mir ermöglicht, London und England auf eine ganz andere Art kennenzulernen und zu analysieren. Mir sind durch mein Auslandsstudium neue (auch berufliche) Perspektiven eröffnet worden, und ich konnte Arbeitsfelder und Arbeitsweisen erkunden, die ich vorher so nicht kannte. Dazu hat die University of Westminster auch immer interessante Veranstaltungen durchgeführt, zu denen sie viele Menschen aus der Praxis oder von Trägern eingeladen hat, um den Studierenden* den Übergang in die Arbeitswelt zu erleichtern. Ich persönlich habe in meiner Zeit ehrenamtlich in einem Jugendclub in meiner Nachbarschaft gearbeitet und habe darüber sowohl die Community besser kennengelernt als auch Freundschaften geschlossen und unglaublich tolle Menschen kennengelernt, die ich sonst wahrscheinlich nie kennengelernt hätte. So etwas würde ich jedem empfehlen, weil man während des Studiums noch die Zeit dafür hat. 

Aber auch persönlich ist London eine sehr besondere Großstadt, die vor Diversität und Möglichkeiten nur so sprudelt. Ich denke, in London ist für jede*n etwas dabei, und auch wenn die Stadt sich am Anfang überwältigend anfühlen kann, findet jede*r irgendwann ihre*seine Nische und ihre*seine Leute. Ich würde die Erfahrung genau so noch einmal machen.

Kontakt

emily.whr@gmail.com