Entwurfswerkstatt Gohrisch: Material, Fügung, Haus
Das Forschungs- und Lehrprojekt „Entwurfswerkstatt Gohrisch – Material, Fügung, Landschaft“ untersucht die Frage, wie zeitgenössische Architektur im ländlichen Raum auf Landschaft, Klima, Gemeinschaft und lokale Baukultur reagieren kann. Ausgangspunkt ist die Gemeinde Gohrisch in der Sächsischen Schweiz – ein Ort, der durch seine besondere topografische Lage, seine kulturelle Geschichte und seine landschaftliche Identität geprägt ist.
Burg Schöna (Henry Nold, Jens Seidel, Ansgar Rieger)
Architekturbüro Kunze (Uwe Kunze)
Zimmerei Thomas Leonhardi e.K. (Thomas Leonhardt)
Zwischen Tafelbergen, Wanderwegen und historischen Sommerhäusern eröffnet Gohrisch ein räumliches und atmosphärisches Umfeld, das Architektur nicht als isoliertes Objekt, sondern als Teil einer größeren landschaftlichen Ordnung versteht.
Im Wintersemester 2025/2026 entwickelten die Studierenden städtebauliche Strategien für die behutsame Erweiterung des Dorfes. Im Mittelpunkt standen Fragen nach nachhaltigen Formen des Zusammenlebens, nach gemeinschaftlichen Wohn- und Siedlungsmodellen sowie nach dem Umgang mit lokalen Ressourcen und traditionellen Bautypologien. Die Auseinandersetzung mit dem Ort erfolgt durch Recherchen, Ortsbegehungen, Exkursionen und Gespräche mit regionalen Akteur:innen. Die Landschaft wurde dabei nicht nur als Kulisse verstanden, sondern als aktiver Entwurfsraum, der Maßstab, Materialität und räumliche Organisation beeinflusst.
Im Sommersemester 2026 werden die entwickelten Ansätze in den architektonischen Maßstab des Gebäudes überführt. Entworfen werden Häuser oder kleine Gebäudegruppen, die sich präzise in den landschaftlichen Kontext einfügen und zugleich neue Formen des Wohnens und Zusammenlebens erproben. Raumstruktur, Tragwerk, Material und Konstruktion werden dabei als untrennbare Bestandteile eines gemeinsamen architektonischen Konzepts verstanden. Der Entwurfsprozess verbindet räumliche Ideen mit konstruktiver Logik und untersucht, wie Architektur aus Material und Fügung heraus entwickelt werden kann.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der architektonischen Ausarbeitung im Detailmaßstab. An ausgewählten Bauteilen – etwa Wand, Dach, Öffnung oder Übergängen zum Gelände – untersuchen die Studierenden die Beziehung zwischen Konstruktion, Materialität und Atmosphäre. Zeichnungen, Modelle und Detailstudien dienen dabei nicht nur der Darstellung, sondern als Instrumente des Forschens und Entwerfens. Die Werkstatt versteht Architektur als einen Prozess des präzisen Zusammenfügens: von Materialien, Räumen, Landschaften und sozialen Beziehungen.
Die „Entwurfswerkstatt Gohrisch“ verbindet so Entwurf, Forschung und praktische Analyse zu einer experimentellen Lehrplattform. Das Projekt versteht den ländlichen Raum als Labor für neue architektonische Strategien im Umgang mit Nachhaltigkeit, regionaler Identität und zeitgenössischer Baukultur. Ziel ist es, Architektur zu entwickeln, die aus dem Ort heraus entsteht und zugleich zukunftsfähige Perspektiven für das Bauen in Landschaften eröffnet.