Interview
Systemische Aufstellungen in der Praxis – Eine Teilnehmerin berichtet
Systemische Aufstellungen eröffnen neue Perspektiven auf komplexe Fragestellungen in Beratung, Coaching, Führung und Organisationsentwicklung. Doch wie erleben Teilnehmende die Weiterbildung in der Praxis? Im Interview berichtet Coachin Ines Dietrich von ihren Erfahrungen im Zertifikatskurs „Systemische Aufstellungen“ an der Fachhochschule Potsdam und davon, wie sie das Gelernte heute in ihrer beruflichen Arbeit einsetzt.
Die Methode der systemischen Aufstellung wird in unterschiedlichen beruflichen Kontexten genutzt, um Beziehungen, Strukturen und Dynamiken sichtbar zu machen. Sie unterstützt dabei, neue Sichtweisen zu entwickeln und Lösungsansätze für komplexe Herausforderungen zu finden. Entsprechend vielfältig sind auch die Einsatzmöglichkeiten – von Coaching und Beratung über Team- und Organisationsentwicklung bis hin zu Führungsfragen.
Ines Dietrich bringt bereits langjährige Erfahrung als systemische Coachin mit und hatte schon vor der Weiterbildung Berührungspunkte mit der Aufstellungsarbeit. Im Gespräch erzählt sie, warum sie sich dennoch für den Zertifikatskurs entschieden hat, welche Aspekte sie besonders überzeugt haben und welchen nachhaltigen Einfluss die Weiterbildung auf ihre berufliche Praxis hat.
Stellen Sie sich bitte kurz vor: In welchem beruflichen Kontext arbeiten Sie und welche Erfahrungen mit systemischen Aufstellungen hatten Sie bereits vor der Weiterbildung?
Ich bin seit 2005 selbständiger Coach und arbeite als systemischer Coach mit eigenem Bildungsträger. Eine erste systemische Ausbildung habe ich bereits im Metaforum bei Bernd Isert absolviert und auch eine Ausbildung in der Aufstellungsarbeit bei Holm von Egidy.
Was hat Sie dazu bewogen, Ihre Kenntnisse im Bereich systemischer Aufstellungen durch diese Weiterbildung zu vertiefen?
Der Wunsch weiterhin in der systemischen Aufstellungsarbeit zu lernen und zusätzliches anwendungsreifes Wissen zu bekommen. Weiterhin geht es mir auch darum, unterschiedliche Stile unterschiedlicher Dozierender in unterschiedlichen Bereichen kennenzulernen.
Was hat Sie an der Weiterbildung besonders überzeugt oder überrascht?
Mich hat überzeugt, dass der wissenschaftliche Hintergrund vorhanden ist und es hier auch als Methode akzeptiert und angewendet wird – was durch die unterschiedlichen Klienten und auch z. B. von Heiko Kleve im Kontext der Unternehmensberatung eingesetzt wird.
Wie haben sich Ihr Verständnis von systemischen Aufstellungen und Ihre Rolle als Aufstellungsleiterin während des Kurses verändert?
Nach wie vor ist es eine große Aufgabe Aufstellungen souverän zu leiten. Der Respekt vor der Aufgabe, der Systematik und dem Inhalt wie auch dem eigenen Stil Raum zu geben, ist schon sehr besonders. Aber in der Gruppe arbeitet es sich gut. Oft entsteht der Wunsch, noch sehr viel mehr Zeit zum Üben und Lernen zu haben. Es ist ein großes und von mir sehr geschätztes Thema.
Können Sie ein Beispiel nennen, wie Sie das Gelernte bereits in Ihrer beruflichen Praxis einsetzen konnten?
Ich arbeite bereits in der Praxis mit der Methode im Einzelcoaching. Mit diesem Ausbildungsgang hat sich allerdings sehr viel mehr Praxis im Coaching etabliert, die Sicherheit steigt in der Anwendung und auch die Vielfältigkeit in der Anwendung.
Wie haben Sie die Atmosphäre in der Gruppe sowie die Begleitung durch die Dozierenden erlebt?
Die Begleitung ist hervorragend. Gerade weil die Gruppe aus gestandenen Praktikern in allen möglichen Bereichen zusammengestellt ist und auch die Auffassungen – sicher anders als bei Studenten – weit gefächert sind. Um so bereichernder und überraschender sind z. T. die Diskussionen und die Bandbreite der Anwendungen.
Für wen würden Sie die Weiterbildung besonders empfehlen?
Im Grunde für Menschen, die bereit sind, ihre Arbeit mit einer großen Bereitschaft für Neues ebenso wie für Bewährtes anreichern möchten. Diese Art der Arbeit mit Menschen und der Ermittlung von Potenzialen ist so weitreichend und wertschätzend wie auch bereichernd. Das kann bei jedem Menschen eingesetzt werden, der sich in diesem Feld bewegt – egal ob in der Einzel- oder der Gruppenarbeit, im Führungskräfte- oder Fachkräftebereich.
Welchen nachhaltigen Einfluss hat die Weiterbildung auf Ihre berufliche Arbeit oder persönliche Entwicklung?
Es ist in Zeiten großer gesellschaftlicher Veränderung von elementarer Bedeutung, sich methodisch den Herausforderungen zu stellen. Die Wahrnehmung von Bedürfnissen und auch der gesundheitliche Aspekt im Coaching können mit der Methode der systemischen Aufstellung in jedem Fall gut flankiert werden. Dies gibt mir als Coach Sicherheit und unterstützt meine ohnehin sehr intuitive Art. Ich könnte fast sagen, dass es die Methode für mich ist, die heilsame und unterstützende Aspekte für den Klienten sichtbar und wirksam macht.
Gibt es einen Satz oder ein kurzes Zitat, das Ihre Erfahrung mit der Weiterbildung besonders treffend beschreibt?
Coaching wirkt nicht durch kluge Worte allein – sondern durch feines Wahrnehmen … und wenn man dann in der Aufstellungsarbeit gemeinsam hinschaut, wird oft überraschend klar, was im Hintergrund längst nach seinem Platz gesucht hat.
Der Zertifikatskurs „Systemische Aufstellungen“ an der Fachhochschule Potsdam vermittelt fundierte Kenntnisse und praktische Kompetenzen für die professionelle Anwendung von Aufstellungen in Beratung, Coaching, Organisationsentwicklung und weiteren Arbeitsfeldern.
Die Weiterbildung verbindet wissenschaftliche Fundierung mit intensiver Praxiserfahrung und richtet sich an Fach- und Führungskräfte, Berater*innen, Coaches sowie alle, die systemische Perspektiven in ihre berufliche Praxis integrieren möchten.
Der nächste Kurs findet von 12.11.2026 bis zum 25.06.2027 statt. Weitere Informationen finden Sie auf der Weiterbildungsseite.