Ein Auslandssemester in der ältesten Stadt der Schweiz – Chur an der FH Graubünden
Der folgende Bericht schildert die persönlichen Erfahrungen eines Auslandssemesters an der FH Graubünden in der Schweiz durch die Studierende Anthea Kröger. Dabei wird genauer auf den Bewerbungsprozess, die FH Graubünden nebst der Studiengänge Information Science und Digital Business Management sowie das Leben in der Schweiz eingegangen.
Antheas Erfahrungen
Die Entscheidung
Die Entscheidung für einen Auslandsaufenthalt fiel aufgrund des Wunsches, meinen kulturellen Horizont in einem internationalen Umfeld zu erweitern. Außerdem wollte ich neue und interessante Erfahrungen aus einem Auslandssemester in mein weiteres Studium integrieren und für meine weitere Berufslaufbahn nutzen können. Die Entscheidung für die FH Graubünden in der Schweizer Stadt Chur fiel aufgrund ihrer Lage und Lehrsprache. Da ich die Berge liebe und die FH Graubünden in Chur mitten in den Schweizer Alpen sowie im deutschen Sprachraum liegt, war sie eine gute Wahl für mich.
Die Vorbereitungen
Während des Bewerbungsprozesses bekam ich Unterstützung durch die International Offices der Heim- und Partnerhochschule sowie von der Internationalisierungsbeauftragten des Fachbereichs Informationswissenschaften.
Zuerst informierte ich mich unverbindlich über die Webseite der FH Potsdam und bei der Internationalisierungsbeauftragten des Fachbereichs Informationswissenschaften über ein Auslandssemester und die Partnerhochschule FH Graubünden in der Schweiz.
Anschließend bewarb ich mich bei der FH Potsdam für einen Platz im Auswahlverfahren nach den Vorgaben des International Office. Die Bewerbung enthielt einen tabellarischen Lebenslauf, ein Motivationsschreiben und den aktuellen Leistungsnachweis. Ein Sprachnachweis war nicht notwendig, da die FH Graubünden ebenfalls in deutscher Sprache lehrt.
Nach der Prüfung meiner Bewerbungsunterlagen bekam ich die Zusage für das Auslandssemester seitens des International Offices der FH Potsdam. Diese beinhaltete auch eine Nominierung bei der FH Graubünden durch die FH Potsdam.
Die finale Zusage erhielt ich nach einer zusätzlichen Bewerbung bei der FH Graubünden. Die Bewerbung dort enthielt neben dem Lebenslauf, dem Motivationsschreiben und dem Leistungsnachweis auch ein Anmeldeformular, die Kopie des Passes, ein Passfoto sowie ein vorläufiges Learning Agreement. Darin wurden die zu besuchenden Kurse festgehalten. Das Learning Agreement wurde nach der Zusage der FH Graubünden noch finalisiert. Des Weiteren musste ich noch eine Krankenversicherung für das Ausland vorweisen. Ein Visum war nicht notwendig, aber eine Aufenthaltsgenehmigung, die mit dem International Office der FH Graubünden koordiniert wurde. Es organisierte ebenfalls ein Kick-off-Meeting (online) aller Austauschstudierenden, bei dem ich weitere Informationen erhielt und Fragen stellen konnte. Für etwaige Fragen zum Studium an der FH Graubünden, dem Leben in Chur etc. bekam ich einen Buddy zugeteilt.
Die Unterkunft
Die Suche nach einer Unterkunft war schnell erledigt. Ich hatte das große Glück, über das International Office der FH Graubünden ein Zimmer im Konvikt mieten zu können. Das Konvikt ist ein Wohnheim für die Schüler*innen der Churer Kantonsschule. Jedes Semester leben dort jedoch auch einige Austauschstudierende. Ein Zimmer im Konvikt zu mieten, empfehle ich sehr. Das Team ist sehr nett und hilfsbereit. Das Gebäude selbst ist modern ausgestattet und sauber. Außerdem wird unter der Woche Frühstück und Abendessen angeboten. Den direkten Sozialkontakt zu den anderen Austauschstudierenden sah ich als einen großen Vorteil des Wohnens im Konvikt an. Ein weiterer Pluspunkt ist die wunderbare Aussicht auf Chur, da das Gebäude stadtnah am Berghang liegt. Die Fachhochschule ist mit dem Bus gut zu erreichen.
Das Studium an der Hochschule
Zum Semesterstart gab es eine Einführungsveranstaltung durch das International Office der FH Graubünden. Dabei erhielten die Austauschstudierenden Informationen über die Schweiz, die Fachhochschule Graubünden und Beteiligungs- bzw. Mitgestaltungsmöglichkeiten im Rahmen des Studiums. Das Erasmus Student Network (ESN) Chur stellte sich und die von ihm in diesem Semester organisierten Veranstaltungen vor. Als Einführungsevent wurde ein Cheese Tasting durchgeführt sowie Schokolade hergestellt.
Nach diesem Semesterauftakt nahm ich an den Kursen Daten- und Informationsvisualisierung und dem Projektkurs des Studiengangs Information Science teil. Außerdem besuchte ich die Kurse Psychologie, Design Introduction und Requirements Engineering des Studiengangs Digital Business Management. Ich konnte spannende Inhalte aus diesen Kursen mitnehmen.
Die Kurse Psychologie und Requirements Engineering wurden Ende des Semesters mit einer Klausur abgeschlossen. Dabei fand die Klausur in Psychologie schriftlich statt, während die Klausur in Requirements Engineering online über den Safe Exam Browser der Hochschule und mit dem eigenen Laptop absolviert wurde. In letzterem Kurs wurde außerdem zusätzlich eine Anforderungsspezifikation erarbeitet. Im Kurs Daten- und Informationsvisualisierung wurde in Gruppenarbeit ein Datensatz visualisiert. In dem Projektkurs wurden einige Arbeitsschritte für die anstehende Curriculumsreform ebenfalls in Gruppen durchgeführt, vorgestellt und schriftlich festgehalten. Einzelne Kurstermine fanden zudem in Zürich statt. Ein mit Figma erstelltes Digitorial (interaktive Mikro-Webseite) in Form eines Prototyps wurde im Rahmen eines Vortrags im Kurs Design Introduction präsentiert.
Alltag und Freizeit
Die Lebenshaltungskosten in der Schweiz waren erwartungsgemäß etwas höher. Die hohe Miete für ein Zimmer im Konvikt war jedoch im Verhältnis zur Leistung angemessen. Der ÖPNV war ebenfalls etwas teurer. Bei häufiger Nutzung rentierte sich ein Halbtax-Abo, welches den Preis für ÖPNV- und Fernverkehrstickets halbierte. Das war sehr praktisch, denn darin waren beispielsweise auch Gondeln und Skilifte enthalten. Ebenfalls praktisch war das Monatsabo für den ÖPNV in Chur selbst. Da ich fast täglich den Bus nutzte, konnte ich mit dem Abo entspannt Bus fahren und insgesamt auch Geld sparen. Lebensmittel kaufte ich hauptsächlich bei Discountern wie Lidl und Aldi ein, da diese günstiger waren als die Schweizer Supermärkte. Verhältnismäßig günstige Drogerieprodukte fand ich bei Rossmann. So konnte ich auch hier Geld sparen.
In meiner Freizeit war ich entweder allein oder mit Mitstudierenden bzw. Austauschstudierenden in der Natur unterwegs, habe einige Städte besucht und an verschiedenen Veranstaltungen, z. B. vom ESN teilgenommen. Rund um Chur sind einige schöne Wanderungen möglich, beispielsweise vom Caumasee über die Rheinschlucht bis zum Crestasee oder am Churer Hausberg Brambrüesch. Empfehlenswert ist auch ein Besuch der Wasserfälle oder Schluchten in der Umgebung, z. B. der Rofflaschlucht. Einen goldenen Herbst bietet die Region Engadin, während im malerischen Bergdorf Foroglio die Zeit still zu stehen scheint.
Die Schweiz bietet nicht nur eine wunderschöne Natur, sondern auch einige hübsche Orte, Städte und Feste. Besonders gefielen mir die Städte Zermatt, Appenzell und Luzern. In letzterer gefiel mir besonders die Lichtdekoration in der Weihnachtszeit und der Weihnachtsmarkt. Sehenswert waren außerdem die Alpabzüge und das Winterfestival Zauberwald in Lenzerheide.
Im Winter sind Freizeitaktivitäten wie Skifahren und Schlittschuhlaufen natürlich beinahe Pflicht. In Chur selbst ist das Skifahren auf dem Hausberg Brambrüesch möglich. Rund um Chur gibt es aber noch einige weitere Skigebiete, z. B. das Skigebiet Arosa-Lenzerheide oder Churwalden. Auf den dortigen Pisten kommen sowohl Anfänger*innen als auch Fortgeschrittene oder Profis auf ihre Kosten. Besonders empfehlenswert ist auch das Eislaufen auf der wunderschön gestalteten und geräumigen Eisbahn in Chur. Ab und zu findet dort auch eine Eisdisco statt. Ein Highlight ist ebenfalls die Eisbahn neben der Alp Raguta in Feldis. Auf ca. 2.000 Höhenmetern kann man hier mit Aussicht auf ein fantastisches Bergpanorama über das Eis gleiten.
Fazit
In meiner Zeit in Chur und an der FH Graubünden habe ich viele großartige Menschen kennenlernen dürfen und viel Neues gelernt. Zuletzt noch ein paar kleine Tipps und Empfehlungen, die ich zukünftigen Austauschstudierenden mitgeben möchte:
- Knüpfe Kontakte: Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es recht einfach ist, sich mit den anderen Austauschstudierenden anzufreunden, wenn eine gewisse Offenheit dafür herrscht. Um echte Kontakte mit den Schweizer*innen zu knüpfen, ist oft eine gewisse Eigeninitiative gefragt. Aber wenn das „Eis gebrochen“ ist, sind sie für vieles zu haben. Auch die Teilnahme an Veranstaltungen des ESN kann hilfreich sein, um Kontakte zu knüpfen.
- Nutze Kontakte, um gemeinsam coole Orte zu besuchen oder Aktivitäten auszuprobieren. Gemeinsam mit Freund*innen macht es schließlich auch doppelt so viel Spaß.
- Lerne Schweizerdeutsch: Während es im Hochschulkontext nicht ganz so wichtig war, so war es doch im Austausch z. B. mit Schweizer Kommiliton*innen oder im Alltag wichtig, Schweizerdeutsch zu verstehen. Die Schweizer*innen beherrschten zwar auch Hochdeutsch, aber es kam oft vor, dass sie während einer Unterhaltung wieder ins Schweizerdeutsche wechselten. Um an Unterhaltungen teilzunehmen und sich zu integrieren, sollten zumindest ein paar grundsätzliche Vokabeln bekannt sein. Es war auch immer hilfreich, bei oft genutzten Wörtern oder Redewendungen deren Bedeutung nachzufragen.
- Miete ein Zimmer im Konvikt: Mit einem Zimmer im Konvikt fällt es leichter, sich einzugewöhnen und Kontakte zu knüpfen. Das Team unterstützt dich dabei, deine wohnliche Situation so angenehm wie möglich zu gestalten und mit den anderen dort lebenden Austauschstudierenden in Kontakt zu treten. In meinem Fall haben die im Konvikt lebenden Austauschstudierenden schnell zueinanderfinden können und Chur zusammen kennengelernt. Gemeinsam wurde aufkommenden Fragen rund um das Leben in der Schweiz und Chur nachgegangen, was uns schnell zusammengeschweißt hat.
Das halbe Jahr in Chur verging viel zu schnell. Es war eine wirklich schöne Zeit, in der ich die Berge noch einmal mehr lieben gelernt habe und die Stadt Chur für mich ein zweites Zuhause geworden ist.