Interview
Erfolgsreise durch Archiv und Digitalisierung: Ein Interview mit Julia Moldenhawer
Lernen Sie Julia Moldenhawer kennen – von der Archivstudentin zur Digitalisierungsexpertin. In dem Interview von Milena Lotter erzählt unsere Alumna 2023 über ihre Studienzeit, internationale Erfahrungen und ihre aktuellen Projekte am Brandenburgischen Landeshauptarchiv.
Interview mit Frau Julia Moldenhawer, Alumna des Bachelorstudiengangs Archiv und des Masterstudiums Informationswissenschaften
Herzlich willkommen zu unserem heutigen Interview! Wir haben das Vergnügen, mit einer unserer Alumni, Julia Moldenhawer, zu sprechen, die im Bereich Archivwissenschaften und Digitalisierung tätig ist. Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen, Ihre Erfahrungen und Einblicke mit uns zu teilen.
Frage 1: Liebe Frau Moldenhawer, es ist großartig, Sie hier zu haben. Könnten Sie uns bitte erzählen, was Sie dazu inspiriert hat, sich für das Bachelorstudium Archiv zu entscheiden?
Antwort: Natürlich, ich freue mich, hier zu sein. Die Entscheidung wurde vor allem durch mein Interesse an Geschichte beeinflusst. Ich fand jedoch, dass ein reines Geschichtsstudium zu abstrakt war. Das Archivstudium bot mir eine praktischere Herangehensweise und die Möglichkeit, direkt mit historischen Quellen zu arbeiten.
Frage 2: Sie haben sowohl Ihren Bachelor als auch Ihren Master Informationswissenschaften an unserem Fachbereich absolviert. Könnten Sie uns mehr über Ihre Studienerfahrungen und die Schwerpunkte, die Sie während Ihres Studiums gesetzt haben, erzählen?
Antwort: Selbstverständlich. Mein Bachelorstudium in Archivwissenschaften erstreckte sich von 2007 bis 2011 an der FH Potsdam. Anschließend habe ich mich für ein Masterstudium in Informationswissenschaften entschieden, das ich 2013 abgeschlossen habe. Während meiner Studienzeit lag mein Fokus weniger auf der Erschließung von Archivgut, sondern vielmehr auf der digitalen Bereitstellung von Archivgut und den damit verbundenen Fragestellungen. Diese Schwerpunktsetzung spiegelt auch meine beruflichen Interessen wider.
Frage 3: Eine bemerkenswerte Station in Ihrem Werdegang war Ihre Projektarbeit im Zentralarchiv der Evangelischen Kirche in Sibiu, Rumänien. Könnten Sie uns etwas mehr über diese Erfahrung erzählen und wie sie Ihre berufliche Entwicklung beeinflusst hat?
Antwort: Während meines Masterstudiums hatte ich die Möglichkeit, an einer Projektstelle im Zentralarchiv der Evangelischen Kirche in Sibiu, Rumänien, zu arbeiten. Diese Erfahrung hat meine Sichtweise auf die Archivwissenschaft erweitert und mir einen internationalen Einblick verschafft. Obwohl es unkonventionell erscheinen mag, eine Unterbrechung des Studiums für eine solche Projektstelle einzulegen, hat mich diese Erfahrung letztlich darin bestärkt, meinen Master erfolgreich abzuschließen und meine berufliche Laufbahn voranzutreiben.
Frage 4: Ihre berufliche Reise führte Sie vom Geheimen Staatsarchiv zur Sammlung Künstlerarchive in der Berlinischen Galerie. Könnten Sie uns mehr über Ihre Tätigkeiten dort erzählen?
Antwort: In der Berlinischen Galerie hatte ich die Gelegenheit, in der Sammlung Künstlerarchive zu arbeiten. Die Berlinische Galerie sammelt unter anderem Unterlagen zu bedeutenden Kunsthändlern, welche wichtige Quellen unter anderem für die Provenienzforschung sind. Durch zum Beispiel Korrespondenz zwischen Händler und Sammler lassen sich Lebenswege von Kunstwerken nachvollziehen. Sie enthalten damit wichtige Hinweise auf heutige Standorte und Eigentümer. Einen solchen Nachlass eines Kunsthändlers habe ich bearbeitet. Die Atmosphäre in der BG war inspirierend. Im Museum liegt der Fokus ja stark auf den Ausstellungen für die Öffentlichkeit. In der Vorbereitungszeit herrschte immer eine ganz besondere Atmosphäre in diesem kreativen Umfeld.
Frage 5: Ihre Expertise liegt insbesondere im Bereich der Digitalisierung und des Datenmanagements von Archivgut. Könnten Sie uns mehr über Ihre aktuellen Verantwortlichkeiten und Projekte berichten?
Antwort: Seit 2016 leite ich das Referat für Digitalisierung am Brandenburgischen Landeshauptarchiv. Hier bin ich für den Auf- und Ausbau der strategischen Archivgutdigitalisierung verantwortlich. Das umfasst die technische Infrastruktur, Datenlieferung an die DDB, Online-Repräsentation digitalisierter Akten, Metadatenmanagement, Anwendungsentwicklung und Qualitätssicherung. Die Erfahrungen im objektschonenden Umgang mit den unikalen Unterlagen bei der Digitalisierung habe ich zuletzt bei der Normungsarbeit für die DIN 33910 „Objektschonende Digitalisierung von Archiv- und Bibliotheksgut“ eingebracht. Außerdem gehört die Projektleitung von Drittmittel intensiven Digitalisierungsprojekten zu meinen Aufgaben.
Seit 2020 bin ich Abteilungsleiterin – zunächst für die Zentralen Dienste, seit 2024 für Digitale Infrastrukturen – und verantworte die IT, Digitalisierung, Digitale Archivierung, Magazindienst und Restaurierung sowie das forschungsinitiierte OFP-Projekt zur digitalen Provenienzforschung (2020 – 2026).
Grob gesagt, sind wir in Zusammenarbeit mit den Archivar*innen dafür zuständig, die Akten zu pflegen und zu magazinieren sowie sie digital und analog im Lesesaal bereitzustellen. Weitere Informationen, die für das Quellenstudium oder für die Landesgeschichte nützlich sind, finden sich in der öffentlich zugänglichen Bibliothek des Landeshauptarchivs.
Ich kann nur alle Interessierte einladen, einmal online durch die Bestände des Brandenburgischen Landeshauptarchivs zu stöbern oder unseren Lesesaal und die Bibliothek vor Ort zu nutzen.
Vielen Dank für das Gespräch! Wir freuen uns als Fachbereich Informationswissenschaften immer, von den Lebensentscheidungen und Karrierewegen unserer Alumni zu erfahren!
Das Interview führte Milena Lotter, 2023, aktualisiert 2026.