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Wandmalerei | Das Reihenendhaus im Treibjagdweg 14 in der Siedlung Onkel Tom

Bestandserfassung und Untersuchung auf historische Farbigkeit

Blick aus dem Fenster des Hauses
Projektzeitraum:
Typ:
Lehrprojekt
Studentisches Projekt

Ort: Treibjagdweg 14, 14169 Berlin/Zehlendorf
Entstehungszeit: 1929 
Projektvermittlung: H&M
Art der Dokumentation: Befunddokumentation

Planung und Konzeption Abschnitt V der Siedlung Onkel Tom: Architekt Bruno Taut

Aufgabenstellung

Die Aufgabenstellung dieses Projekts beinhaltet eine Kurzbeschreibung der Räumlichkeiten des Hauses (innen und außen einschl. Fassaden, Veranda und Gartenanlage), Erstellung eines Raumbuches, das Anlegen von Stratigrafien sowie die Farbwertbestimmung der ermittelten bauzeitlichen Farbschichten und Fassungen mit dem NCS-System, das Fotografieren und Auswerten der Befunde und das Erstellen der vorliegenden Dokumentation in Schrift und Bild. In die Untersuchung aufgenommen wurden sämtliche Räume vom Erd- bis zum Dachgeschoss einschließlich des Treppenhauses, die Veranda und die Außenfassaden samt Eingangsbereich.

Zur Geschichte

Die im Süd-Westen Berlins errichtete „Waldsiedlung Zehlendorf“, wie die Siedlung offiziell heißt, wurde schnell und bleibend „Onkel Tom Siedlung“ benannt. Vom Architekten Bruno Taut entworfen wurde sie von der Berliner Wohnungsbaugesellschaft GEHAG (1924 gegründetes Unternehmen als Gemeinnützige Heimstätten-, Spar- und Bau-Aktiengesellschaft) zwischen 1926 - 1932 erbaut, vor allem zur Schaffung von Wohnraum für Familien des Mittelstandes. Die Siedlung besteht aus 7 Abschnitten. Neben Bruno Taut konzipierten Hugo Häring und Otto Rudolf Salvisberg als Vertreter der modernen Architektur nach Taut’s städtebaulichen Entwürfen: Taut plante den nördlichen, Salvisberg den südlichen und Häring den östlichen Teilbereich unter Einbeziehung des Kiefernbestandes am Grunewald. Im Abschnitt V, welcher alleine von Bruno Taut entworfen und konzipiert wurde, befindet sich im Treibjagdweg 14 das Reihenendhaus als Gegenstand vorliegender Untersuchung. Aufgrund der in den 20er und 30er Jahren verfemten „Architektur der Moderne“ samt zusätzlich auffälligem Farbkonzept hinsichtlich ungewohnter Buntheit wurde die Siedlung bald von den Nationalsozialisten diffamierend und spöttisch als „Papageien-Siedlung“ bezeichnet. Unter diesem Namen ist sie heute gleichsam als Ikone des Siedlungsbaus der Moderne bekannt und steht seit 1991 unter Denkmalschutz.

Beschreibung des Reihenendhauses

Das Reihenendhaus im Treibjagdweg 14 stellt den von Taut innerhalb der Siedlung festgelegten Typ III,4 (4,1/2 Zimmer 102.00 m2 Wohnfläche) dar. Vom Treibjagdweg aus blickt man von Westen auf die Vorderseite des Reihenendhauses. Von dem rückwärtig nach Osten ausgerichteten Garten gelangt man über eine Gartenpforte auf einen schmalen Wirtschaftsweg, der Zugänge in alle Reihenhausgärten gewährleistet. Das kubische Gebäude mit flach geneigtem Pultdach schließt den Reihenhauszeilenbau Treibjagdweg 7 -14 nach Norden ab und weist damit drei freie Fassadenflächen auf. Das Haus besitzt 3 Geschosse EG, OG, DG und ist voll unterkellert. Bruno Taut plante in der gesamten Reihenhaussiedlung wiederkehrende Fenstertypen. Insgesamt waren 13 verschiedene Typen vorgesehen; die Hauseingangstür ist die Nummer 13, Nummer 9 ist die Tür von der Küche zur Veranda. Die Eingangstür als variationsreiches Gestaltungselement innerhalb der Siedlung ist vergleichsweise aufwendig und kombinationsreich ausgeführt. Der Hauseingang ist durch ein Ziegelband innerhalb der Fassade zusätzlich abgesetzt und betont und durch ein Vordach und seitliche schmale Windschutzelemente (Drahtglas im Metallrahmen) bis zur Höhe des Vordachs geschützt. Die Rückseite bzw. gartenseitige Ost-Fassade des Reihenendhauses ist in zwei (auch farbige) Bereiche gegliedert. In diesem Fall ist das Erdgeschoss von den beiden oberen durch den Ausbau einer Veranda sowohl architektonisch als auch farblich abgehoben. Die Veranda mit einer Größe von 15 m2 in der Breite des Hauses und einer Tiefe von 2,50 m ist von der Terrasse mit einem Holzgeländer (mit ca. 3,00 m langem Abdeckbrett)  getrennt. Sie ist von festen Mauern nördlich und südlich eingefasst und mit einem Drahtglas-Dach abgedeckt. Die Raumaufteilungen sind in allen 3 Geschossen annähernd identisch, die Räumlichkeiten um den zentral gelegenen Kaminschacht angeordnet.

Auswertung

Fassaden- und Fensterfarbigkeiten waren laut dokumentiertem Farbenplan von Taut vorgegeben. Fassaden und Fenster sowie alle Holzeinbauteile im Inneren des Hauses wurden häufig und tlw. radikal überarbeitet, deshalb sind originale Farbtöne kaum noch vorzufinden, folglich schwer nachweisbar. Der Putz an der Nord- und Ostfassade wurden laut archivalischem Nachweis komplett abgeschlagen und neu aufgebracht. Nur an der Westfassade konnten Reste vorangegangener Putze/Farbigkeiten nachgewiesen werden, ohne mit Bestimmtheit damit auf die ursprüngliche Gestaltung schließen zu können. Wenn es sich aber um ursprüngliche Fassadenputzreste an der Westfassade mit dem von Taut vorgesehenen rotbraunen Fassadenfarbton "Keim 95" handelte, so wäre dieser aufgrund seiner Erscheinung allerdings weniger als Anstrich ausgeführt, sondern eher als durchgefärbter Mineralputz, folglich dünner Edelputz, wie er gerade in den 20er Jahren als modernes Beschichtungssystem aufkam und vielfach angewendet wurde. Die Grundrisse jeweiliger Geschosse aller 4 Ebenen sind ähnlich, das Treppenhaus entlang der Nordwand wirkt verbindend, die schmalen kurzen Flure in jedem Geschoss gelten als Verteilerräume in die jeweiligen Zimmer. Das enge Treppenhaus wurde von Taut gestaltet, serienmäßig verbaut und ist farblich ebenfalls vorgegeben gewesen. Fußböden: Im Flur sowie den meisten Zimmern befinden sich Holzdielen, vermutlich ochsenblutfarbig lackiert. In Bad und Küche besteht Terrazzoboden, im Keller Zementestrich, der Terrassenboden ist aus stehenden Ziegelreihen um mit Estrich ausgegossenen quadratischen Feldern gestaltet. Es konnte aber festgestellt werden, dass alle Zimmer sehr farbig gestaltet waren: rot/-bräunlich, dkl.blau, grün, gelb/beige... zudem waren sogar die Decken teils in hellerem Farbton dazu farbig gestrichen. Tapeten waren ursprünglich nicht vorgesehen. Die Farbigkeiten innerhalb eines jeden Zimmers waren für alle 4 Wände jeweils gleich bis oben zum Anschluss der Decke ausgeführt. Alle Wände besitzen einen geraden Abschluss zu der verputzten Decke. Die helle Laufdecke der Treppe ist im Anschluss zur Wand mit einer Stuckleiste verziert, die farbig abgesetzt war als rotes Band, gleichsam als verbindendes Element der Geschossebenen. Küche und Badezimmer waren eher in hellen beige-Tönen gehalten, einige beige Fliesen (gefertigt in Meissen/Saxonia) samt Haken zum Aufhängen von Topflappen etc. sind teilweise noch original erhalten wie auch der Vorratsschrank unterhalb des Küchenfensters und vermutlich der Oberschrank an der Nordwand. In diesen beiden Räumen befinden sich strapazierfähige Terrazzoböden. Eingangsbereich und Flure wie das Treppenhaus selbst waren eher in einem hellen beige bis gelb gestaltet, die Türen alle einheitlich in einem creme-weiß, die breiten Geländerstäbe der Treppe waren weiß, dazu der Handlauf schwarz und verm. die Treppenwange ebenfalls schwarz abgesetzt, die Tritt- und Setzstufen der Treppe dazu grau gestrichen. Im Flur sowie den meisten Zimmern befinden sich Holzdielen, vermutlich ursprünglich einschließlich der Fußleisten ochsenblutfarbig lackiert. Die im Hause über 3 Geschosse nördlich befindlichen Flurebenen, die über eine schmale, enge Treppe miteinander verbunden werden, dienen mit ihren vielen Türen zu den einzelnen Räumlichkeiten jeweiliger Geschosse (EG, OG und DG) als Verteilerräume.

Zusammenfassung

Ob Bruno Taut tatsächlich die Innenraumgestaltung den zukünftigen Bewohnern vorgeschrieben hat, ob die Wohnungen bei Erstbezug bereits komplett farbig gestrichen waren unter Berücksichtigung der Vorlieben jeweiliger Wohnungs-/Hausbezieher oder eben nicht, ist nicht geklärt. Aufzeichnungen vom Architekten selbst konnten dazu bisher nicht aufgefunden werden. Durch allerdings die vergleichende Erhebung und ermittelten Entsprechungen könnte darauf geschlossen werden Umso interessanter ist es, weitere Beispiele der Farbuntersuchungen der Innenräume innerhalb dieser Siedlung zusammenzutragen und miteinander zu vergleichen. Es wäre abzugleichen, ob ein direkter Zusammenhang bestehen könnte zwischen den Farbigkeiten der Außenfassaden zu den Innenräumen. Vielleicht ergibt sich daraus allmählich ein System der Farbgestaltung im Inneren, wie ja die Gestaltung der Außenhüllen vom Architekten selbst hinreichend dokumentiert ist.

Quelle für alle verwendeten Planmaterialien sowie Farbsystematik von Fassaden und Fenstern:
Pitz, Helge/Brenne, Winfried: Siedlung Onkel Tom Zehlendorf – Einfamilienreihenhäuser 1929, (=> Die Bauwerke und Kunstdenkmäler von Berlin, Beiheft 1), Berlin 1980.

Projektbeteiligte

Projektbetreuung

Dipl.-Rest. Tjalda Eschebach

Dipl.-Rest. Tjalda Eschebach

Werkstattleiterin Konservierung und Restaurierung – Wandmalerei

Studierende

  • Elena Böck
  • Emily Göres
  • Leona Yasmin Liehmann
  • Jasmin Hahm
  • Hanna Radt
  • Elisabeth Haar
  • Maya Sanchez
  • Maika Hansel
  • Felix Voß