Die Ziegelei in Glindow
Historie, Erhaltung und denkmalpflegerische Herausforderungen eines handwerklich-industriellen Kulturguts, Hoffmannsche Ringöfen zwischen Substanz, Atmosphäre und Nutzung
Die denkmalgeschützte Ziegelei in Glindow mit ihren zwei erhaltenen Hoffmannschen Ringöfen aus dem Jahr 1868 stellte den Betrieb zum 31. Juli 2024 ein. Die Masterarbeit zeigt eine mögliche Perspektive für den Umgang mit dem Bestand auf.
Grundlage bilden eine anhand von Archivalien rekonstruierte geschichtliche Betrachtung der seit 1705 bestehenden Ziegelei, ein Bauphasenplan des Areals sowie Untersuchungen zur historischen Ziegelherstellung, zu materialtechnischen Kennwerten und zu spezifischen Eigenschaften, die sich aus dem Tonabbau in den ‚Glindower Alpen‘ ergeben.
Weiter werden die Entwicklung und die Funktionsweise eines Hoffmannschen Ringofens und die daraus resultierenden betrieblichen Abläufe und räumlichen Abfolgen erläutert. Eine Baubeschreibung und eine zeichnerische Bauaufnahme mit Fokus auf die beiden Ringöfen und die sogenannte Sortierhalle im Zentrum der Anlage dokumentieren den Ist-Zustand der Ziegelei in verschiedenen Genauigkeitsstufen.
Für die Planung der Instandsetzungs- und Sanierungsmaßnahmen wurden die Fassaden der Sortierhalle mit dem Structure-from-Motion-Verfahren photogrammetrisch aufgenommen und eine Schadenskartierung erstellt. Ergänzend werden die denkmalpflegerischen und baurechtlichen Rahmenbedingungen analysiert und die sich daraus ergebenden Herausforderungen für eine bauliche Transformation aufgezeigt.
Das vorgeschlagene Konzept knüpft an die Nutzungsgeschichte an und sieht einen historisch verankerten Ort für Handwerk, Forschung und Kunst vor. Die erforderlichen baulichen Maßnahmen berücksichtigen die lokal verfügbaren, traditionellen und ökologischen Baustoffe Lehm und Schilfrohr. Abschließend reflektiert eine architekturtheoretische Wertediskussion die unterschiedlichen Herangehensweisen für Umnutzungen im Denkmalbereich mit Fokus auf die oftmals extrem zweckgebundenen Industriebauten.
Vielfältige Zwischennutzungen, als sich anpassendes Konzept, können ein geeignetes Instrument für den verantwortungsvollen Erhalt sein. Bauen im Bestand wird dabei vielmehr als Haltung anstelle von technischen Maßnahmen verstanden: dauerhaft prozessuales Bauen und die Überschichtung von Nutzungen mit minimalen Eingriffen unter Akzeptanz und Einbeziehung der historischen Substanz.
- Ziegelei Glindow: Pläne und Entwürfe (PDF, 10.9 MB)© Steffen Kirchmaier
Projektbeteiligte
1. Gutachterin
2. Gutachter
Dipl.-Ing. Sven Wallasch
Untere Denkmalschutzbehörde Potsdam-Mittelmark
Masterabsolvent
Steffen Kirchmaier