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Pressemitteilung

Verschwundene Ortschaften: Eine kurze Geschichte des Tagebaus

Studium & Lehre
Visualisierungsprojekt "Verschwundene Ortschaften"
Visualisierungsprojekt "Verschwundene Ortschaften" © Tim Hönig

Seit Ende des 2. Weltkriegs wurden in Deutschland über 300 Dörfer für den Abbau von Braunkohle abgerissen und über 120.000 Menschen umgesiedelt. Mithilfe einer Datenvisualisierung im Scrollytellingformat erzählt Interfacedesign-Student Tim Hönig die Geschichte des deutschen Tagebaus und macht die verschwundenen Orte wieder sichtbar.

Der Hambacher Forst ebenso wie das nicht weit entfernte Lützerath wurden weltweit bekannt als Symbole der Klimabewegung. Wald und Ortschaft kamen in den Fokus, weil die darunter liegende Kohle abgebaggert werden soll. Dagegen entwickelte sich massiver Widerstand – im Falle des Hambacher Forstes mit Erfolg, der Wald bleibt. Die Ortschaft Lützerath hingegen wurde, unter massiven Protesten von Anwohner*innen und Klimaaktivist*innen, in den vergangenen Tagen geräumt.

In der Geschichte des Braunkohletagebaus entstanden in Deutschland mindestens 78 Tagebauten, für die Ortschaften weichen mussten. Auf der animierten Karte „Verschwundene Ortschaften“, die FHP-Student Tim Hönig realisierte, werden Kohleabbaugebiete, verschwundene und bedrohte Ortschaften sichtbar.

Die Visualisierung fokussiert drei Gebiete: Das Rheinische Revier im Städtedreieck Aachen, Köln, Mönchengladbach wird heute ausschließlich von RWE betrieben. Das Revier beinhaltet die drei großen noch aktiven Tagebaue Garzweiler, Hambach und Inden.
Im Mitteldeutschen Braunkohlerevier entstand bereits 1698 die erste Kohlegrube in Müncheln/Braunsbedra. Insgesamt wurden hier über 120 Ortschaften teilweise oder vollständig abgebaggert. Heute betreiben MIBRAG und ROMONTA insgesamt noch drei Tagebaue.
Die aktiven Tagebaue im Lausitzer Revier im Südosten Brandenburgs werden von LEAG betrieben.

Das Thema Tagebau in Deutschland beschäftigt mich besonders seit den Protesten, der Besetzung und der Räumung des Hambacher Forsts 2019. Durch die Verfolgung der Protestaktionen von ‚Ende Gelände‘ und ‚Alle Dörfer bleiben‘ habe ich den Aspekt der Enteignung und Umsiedelung von Dörfern in diesem Zusammenhang kennen gelernt. Mit meinem Projekt möchte ich eine Geschichte über Tagebau in Deutschland erzählen und die zerstörten Dörfer mithilfe einer interaktiven Karte sichtbar machen“, sagt Tim Hönig. Er entwickelte das Konzept, sammelte die notwendigen Daten und programmierte die Kartenvisualisierungen. Das Scrollytellingformat der Visualisierung ermöglicht die lokale Einbettung der Ortschaften in den historischen Kontext.

Das Projekt „Verschwundene Ortschaften entstand im Seminar „Karten der Macht. Macht der Karten“ bei Prof. Dr. Sebastian Meier, Professor für die Gestaltung von Wissensvermittlung am Fachbereich Design, im Sommersemester 2022.

Zum Projekt: https://verschwundene-ortschaften.honigmitoe.de/
Konzept, Datenaufbereitung, Gestaltung und Programmierung von
Tim Hönig