Pressemitteilung
Damit nicht alle Proben reisen müssen: FH Potsdam richtet Labor am UNESCO-Welterbe Gelati ein
Im georgischen Klosterkomplex Gelati steht seit diesem Sommer ein chemisches Labor. Fachlich angeleitet hat den Aufbau Prof. Dr. Steffen Laue von der Fachhochschule Potsdam. Es soll den Restaurator*innen vor Ort ermöglichen, künftig eigenständig zu analysieren. Anlass sind schwere Schäden an den Wandmalereien des UNESCO-Welterbes, die teils aus dem 12. Jahrhundert stammen.
Zwei Jahre lang wurde das Labor geplant und schrittweise eingerichtet, zunächst als Provisorium. Inzwischen hat es seinen festen Platz in einem Container auf dem Klostergelände gefunden, für die gesamte Projektlaufzeit bis zunächst 2030. Dort werden Proben von Baumaterialien, Salzen und Pigmenten mikroskopisch und mikrochemisch untersucht.
Der Nutzen ist dreifach. Ergebnisse zu Materialfragen liegen schneller vor, weil nicht jede Probe den Weg nach Potsdam nehmen muss. Voruntersuchungen vor Ort verringern die Zahl der Proben, die für aufwendigere Analysen tatsächlich an die FH Potsdam gehen. Und langfristig entstehen analytische Kompetenzen, die auch nach Projektende in Gelati bleiben. Zweimal im Jahr, wenn Professor Laue vor Ort ist, schult er das Restaurierungsteam; dazwischen arbeitet der Restaurator selbstständig im Labor.
Der Klosterkomplex Gelati liegt nordöstlich von Kutaissi, der zweitgrößten Stadt Georgiens. Er geht auf eine Gründung König Davids IV. im Jahr 1106 zurück. Alle Kirchen sind vollständig ausgemalt, in der Apsis der Hauptkirche befindet sich ein Mosaik aus dem 12. Jahrhundert. 1994 nahm die UNESCO die Anlage in die Welterbeliste auf.
Seit einigen Jahren ist das Dach der Hauptkirche undicht. Das eingedrungene Wasser hat teils dramatische Schäden an den Wandmalereien verursacht. Das größte Problem sind Salzkristallisationen auf und unter der Oberfläche: Sie sprengen Malschichten ab, in einigen Bereichen sind ganze Bilder verloren. Seit 2023 arbeitet ein internationales Team aus Restaurator*innen und Konservierungswissenschaftler*innen daran, die Schadensprozesse zu verstehen und Erhaltungsmaßnahmen umzusetzen.
Das naturwissenschaftliche Labor des Studiengangs Konservierung und Restaurierung ist seit Anfang 2024 beteiligt. Es wird vom Gelati Rehabilitation Committee mit den Analysen beauftragt und untersucht Salze, Putze, Pigmente und Bindemittel, außerdem moderne Reparaturmaterialien aus dem 20. Jahrhundert, die selbst zu Schäden führen. Neben Laue ist Antonia Höhne (Laborleiterin des naturwissenschaftlichen Fachlabors zur Konservierung und Restaurierung) in die Arbeiten eingebunden. Die Einbindung von Studierenden über Praktika und Abschlussarbeiten ist geplant.
Die Potsdamer Analysen sind Teil eines international besetzten Vorhabens: Das Gelati Rehabilitation Committee koordiniert die Arbeiten, die restauratorische Gesamtleitung liegt bei den britischen Restaurator*innen Lisa Shekede und Stephen Rickerby, hinzu kommen ein georgisches Restaurierungsteam von rund zehn Personen sowie Fachleute für Mikrobiologie und Klimatologie aus Italien.
"Es ist ein ertragreiches Projekt, wie man es selten erlebt", sagt Steffen Laue. "Ausgesuchte Expert*innen arbeiten interdisziplinär zusammen, und es steht ausreichend Zeit zur Verfügung, um das Ziel wirklich zu erreichen: die Wandmalereien und das bauliche Erbe von Gelati zu konservieren und ein nachhaltiges Konzept für ihre Erhaltung zu entwickeln."
Für die Fachhochschule zahlt sich die Zusammenarbeit auch in Potsdam aus: Neue Materialien, Methoden und Herangehensweisen aus dem interdisziplinären Austausch fließen in die Lehre und in künftige Forschungsarbeiten ein.
Weitere Informationen: