Presseinformation | 17.08.2017

Deutsche Kolonialgeschichte transparent gemacht

Am Fachbereich Informationswissenschaften entsteht ein webbasiertes Portal zur Aufarbeitung deutscher Kolonialgeschichte

An der FH Potsdam startet in diesen Tagen ein neues Forschungsprojekt zur deutschen Kolonialgeschichte. Ziel ist es, ein webbasiertes Online-Portal aufzubauen, das die Erfassung der Aktenlage in den Nachfolgestaaten ehemaliger deutscher Kolonien ermöglichen soll. Das Auswärtige Amt hat sich die Aufarbeitung der Epoche der Kolonialgeschichte im Kaiserreich zur Aufgabe gemacht und konnte hierfür den Fachbereich Informationswissenschaften der FH Potsdam gewinnen. Das Forschungsprojekt wird geleitet von Prof. Dr. Susanne Freund, Professorin für Archivwissenschaften.

Als wissenschaftlicher Mitarbeiter wird Uwe Jung, der bislang für das Goethe-Institut in Kamerun tätig war und als Informations- und Bibliothekswissenschaftler ausgewiesen ist, das Forschungsprojekt durchführen. In der nächsten Woche ist er vor Ort in Potsdam und Berlin, um die vorhandenen Bestände unter anderem im Bundesarchiv Berlin-Lichterfelde zu sichten. Hauptaufgabe wird es jedoch sein, die Erfassung der Aktenlage in den Nachfolgestaaten der ehemaligen deutschen Kolonien vorzubereiten.

„Das Thema ist brandaktuell“, so Prof. Freund. „Denn momentan wird nicht nur in Berlin wieder einmal um koloniale Straßennamen gestritten. Die immer wieder geführte Debatte um die Frage, ob Straßen, die nach kolonialistisch tätigen Männern wie beispielsweise Gustav Nachtigal, Heinrich Lüderitz oder Carl Peters benannt sind, umzubenennen sind, belegt, dass dieses unrühmliche Kapitel nach wie vor brisant und nicht hinreichend aufgearbeitet ist“, erläutert Prof. Freund weiter. Umso notwendiger ist es, eine fundierte Datenerhebung vorzunehmen und diese für die Forschung zugänglich zu machen. Langfristig ist daher vorgesehen, ein webbasiertes Online-Portal aufzubauen, das eine Übersicht der Aktenüberlieferung sowohl in deutschen Archiven als auch in den Nationalarchiven der afrikanischen Länder Kamerun, Namibia, Tansania, Togo sowie den ehemaligen deutschen Kolonien im Pazifik wie Deutsch-Neuguinea oder Samoa bietet.

Die Informationen sollen sowohl in deutscher als auch in englischer und französischer Sprache abrufbar sein. Im Sinne von Citizen Science ist angestrebt, sich mit anderen Portalen und Institutionen zu vernetzen und alle zu beteiligen, die bislang oder künftig an historischen Informationen zu den ehemaligen deutschen Kolonien interessiert sind. Die Ergebnisse sollen vorrangig der geisteswissenschaftlichen, explizit der geschichtswissenschaftlichen Forschung, der historisch interessierten Öffentlichkeit und damit allen gesellschaftlichen Gruppen sowie Lehrenden und Studierenden an Hochschulen und Universitäten als Datengrundlage für die Entwicklung spezifischer Forschungsfragen dienen.

Für Prof. Freund ist aber gleichzeitig unerlässlich „Forschung und Lehre miteinander zu verzahnen und Synergieeffekte zu erzielen“. So fand bereits im Sommersemester 2017 unter ihrer Leitung in Kooperation mit Sabine Herrmann vom Bundesarchiv ein Workshop zum Thema „Quellen zur deutschen Kolonialgeschichte und ihre Vermittlung“ statt. Die Studierenden profitieren im Sinne der lehrenden Forschung unmittelbar von diesem neuen Projekt, das für das Auswärtige Amt, für die Fachwelt und nicht zuletzt für die Fachhochschule Potsdam ein Novum ist.

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