Institut für Information und Dokumentation

Allgemeine Informationen

Das Institut für Information und Dokumentation (IID) führt seit 1992 als zentrale wissenschaftliche Einrichtung und ab dem 1. November 2012 als Institut des Fachbereichs Informationswissenschaften der Fachhochschule Potsdam eine berufsbegleitende Fortbildung durch, die zu dem staatlich anerkannten Abschluss "Wissenschaftliche/r Dokumentar/in / Information Specialist" führt. Es ist die einzige Ausbildungsstätte dieser Art in der Bundesrepublik Deutschland. Das IID schließt an die langjährige Tradition des Lehrinstituts für Dokumentation (LID) in Frankfurt am Main an, das in der Trägerschaft der Deutschen Gesellschaft für Dokumentation, DGD (heute: Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis, DGI) von 1967 bis zur Auflösung des Instituts Ende 1991 mit großem Engagement die Aufgabe der Fortbildung von Fachwissenschaftlern zu Wissenschaftlichen Dokumentaren wahrgenommen hat. Die Frage der langfristigen finanziellen und institutionellen Absicherung hatte das Institut seit seiner Gründung begleitet. 1991 lief die Projektfinanzierung durch das Bundesministerium für Forschung und Technologie endgültig aus und die DGD war gezwungen, das LID aufzugeben. Dem Engagement einzelner Persönlichkeiten, darunter Wolfgang Hempel, dem damaligen Leiter der Hauptabteilung Dokumentation und Archive des Südwestfunks, ist es zu verdanken, dass der Neuanfang in Potsdam gelingen konnte. Im Februar 1992 nahm das "Institut für Information und Dokumentation" seine Fortbildungsaktivitäten in Potsdam auf. Mit der Anbindung des IID an die Fachhochschule Potsdam wurde eine institutionelle Absicherung des Instituts und die staatliche Anerkennung des Abschlusses als Wissenschaftliche/r Dokumentar/in erreicht. Im Frühjahr 1994 wurde das Institut auch räumlich in die Fachhochschule am Standort Friedrich-Ebert-Straße integriert.

Mit dem Status einer zentralen wissenschaftlichen Einrichtung unter der Leitung eines dreiköpfigen Direktoriums, das die Geschäftsführung an das Institut delegiert, hat sich das IID als eine in der Profession anerkannte und geschätzte Ausbildungsinstitution etabliert. Mit Wirkung vom 1. November 2012 wird das IID eine Einrichtung des Fachbereichs Informationswissenschaften. Mit diesem Schritt folgt das IID konsequent den Anforderungen der Informationswirtschaft. Ziel ist es, Synergie-Effekte in Forschung und Lehre besser nutzen zu können sowie einen effizienteren Ressourceneinsatz zu gewährleisten.

Die erfolgreiche Zusammenarbeit des LID mit dem Studienkreis Rundfunk und Geschichte, dem Südwestfunk (heute: Südwestrundfunk - SWR) und später der gemeinnützigen Gesellschaft für Forschung, Fortbildung und Dokumentation (gGFFD), unter deren Verantwortung bis 2004 arbeitslose Akademiker zu Wissenschaftlichen Dokumentaren ausgebildet wurden, konnte ebenfalls fortgesetzt werden. Daneben werden seit 1985 in Zusammenarbeit mit der Stiftung Blindenanstalt sehbehinderte und blinde Teilnehmer der Lehrgänge auf eine Tätigkeit in einer Einrichtung der Information und Dokumentation (IuD) als Wissenschaftliche Dokumentare vorbereitet.

Leitbild

Das Institut für Information und Dokumentation (IID) versteht sich als Kompetenzzentrum im Informations- und Dokumentationsbereich. Es sieht seinen besonderen Auftrag in der Ergänzung der vielfältigen Ausbildungsmöglichkeiten im Informationsbereich durch ein berufsbegleitendes Angebot, das sich in erster Linie an Personen richtet, die bereits ein Fachstudium absolviert haben. Das IID versteht sich nicht nur als Aus-, Fort- und Weiterbil­dungs­einrichtung, sondern möchte darüber hinaus An­sprech­part­ner für seine Absolventen und für Einrichtungen der Informationsbranche in fachlichen und berufspraktischen Fragen sein.

Offenheit, Toleranz, Flexibilität und Zuverlässigkeit sind die Werte, an denen sich die Arbeit orientiert. Wesentliche Eckpfeiler des Ausbildungskonzeptes sind Praxisnähe und Zukunftsfähigkeit.

Die Angebote des IID richten sich grundsätzlich an alle Interessierte mit einem professionellen Bezug zur Informationsarbeit. Wir sprechen Einzelpersonen ebenso an wie Firmen und Organisationen die Informationskompetenz aufbauen und weiterentwickeln möchten. Zu den Kunden des IID zählen private und öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalten, Verlage, wissenschaftliche Einrichtungen, Wirtschaftsunternehmen u.a., die zum großen Teil seit Jahren mit dem Institut verbunden sind. Die Teilnehmenden unserer Fort- und Weiterbildungsangebote sind überwiegend berufserfahrene Akademiker verschiedener Fachrichtungen, die sich in der Informationsarbeit weiterbilden oder einen berufsqualifizierenden Abschluss erwerben möchten.

Ziel des IID ist es, die Professio­nalisierung der Informationsarbeit zu befördern und zur Entwicklung von Informationskompetenz beizutragen. Im Zentrum steht die berufsbegleitende Qualifizierung. Ein besonderes Anliegen ist es, das Berufsbild des Wissenschaftlichen Dokumentars zu stärken und über die Grenzen der eigenen Profession hinaus bekannt zu machen. Voraussetzungen dafür sind eine qualitativ hochwertige Ausbildung und zufriedene Absolventen, die sich auf dem Arbeitsmarkt erfolgreich positionieren und sich in ihrem Beruf weiter entwickeln.

Die hauptamtlichen Lehrkräfte des Instituts sind Fachwissenschaftler/innen unterschiedlicher Disziplinen und haben mehrheitlich die Fortbildung zum/zur Wissenschaftlichen Dokumentar/in als Teilnehmer/innen selbst durchlaufen. Sie verfügen sowohl über berufspraktische Erfahrungen in der Information und Dokumentation (IuD) als auch über fundierte didaktische und methodische Fähigkeiten.

Das IID bietet berufsbegleitende, praxisorientierte Fortbil­dungskurse und -seminare an, die auf die Ausbildung und Praxiserfahrungen der Teilnehmenden aufbauen. Das Leis­tungsspektrum erstreckt sich weiterhin auf die Beratung und Unterstützung von Absolventinnen und Absolventen bei informationsprakti­schen Fragestellungen und Projekten. Als wissenschaftliche Einrichtung der Fachhochschule Potsdam übernimmt das IID darüber hinaus Verantwortung für zentrale Aufgaben des Informations- und Wissensmanagements.

Das IID arbeitet auf der Basis langjähriger Tradition, umfang­reicher Erfahrungen im Fortbildungsbetrieb, einer intensiven Absolventenbindung und einer sehr guten Vernetzung inner­halb der Profession. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zeichnen sich durch Kompetenz, hohes fachliches und per­sönliches Engagement, Phantasie und Flexibilität aus. Die Einbindung in die Hochschule gewährleistet eine finanzielle Grundsicherung sowie die Möglichkeit der Nutzung einer angemessenen technischen, organisatorischen und räumlichen Infrastruktur.

Das IID unterstützt die Teilnehmenden in ihrem Lern­prozess fachlich, didaktisch/methodisch und persönlich um sie zu befähigen, nach erfolgreichem Abschluss des Lehrgangs Informationsprobleme als solche zu erkennen, zu analysieren, Lösungswege aufzuzeigen und deren Umsetzung verantwortlich zu steuern. In diesem Sinn verstehen wir "Gelungenes Lernen" gleichermaßen als Prozess und Ergebnis: Lehrende befördern gelungenes Lernen durch das Angebot relevanter, praxisnaher, systematisch aufbereiteter Inhalte und deren anschauliche Vermittlung. Lernende gestalten es durch ihre Aufnahmebereitschaft und aktive Mitwirkung. Die Institution schafft die Voraussetzungen durch eine effiziente Organisation der Prozesse und die Gewährleistung einer angemessenen Lernumgebung.

Historisches

Mit der 1941 erstmalig und 1948 wiedergegründeten Deutschen Gesellschaft für Dokumentation (DGD) gab es in der alten Bundesrepublik schon früh eine Fachgesellschaft, deren Ziel es war, die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Methoden der Dokumentation zu fördern, ein Kommunikationsforum für Angehörige der Profession anzubieten und nicht zuletzt Lobbyarbeit für die Dokumentation zu betreiben. Es existierten jedoch vor der Gründung des Lehrinstituts für Dokumentation (LID) in Frankfurt am Main im Jahr 1967 keine eigenen, vom traditionsreichen Bibliothekswesen unabhängigen Ausbildungsgänge für den Dokumentationsbereich.

Das politische Interesse an der Fachinformation, vor allem im naturwissenschaftlich-technischen Bereich, war in den fünfziger und verstärkt zu Beginn der sechziger Jahre erwacht. Gleichzeitig offenbarte sich ein Mangel an Fachpersonal, das die Erschließung wichtiger Quellen und damit den raschen Zugriff auf diese in erster Linie wissenschaftlichen Erkenntnisse und Forschungsergebnisse ermöglichen konnte. In der logischen Kette von Forschung und Entwicklung zum technischen Fortschritt und wirtschaftlichem Erfolg wurde die Fachinformation als wichtiges Bindeglied erkannt. Im Jahr der Gründung des LID, damit noch einige Jahre vor der Veröffentlichung des ersten Fachinformationsprogramms (IuD-Programm) der damaligen Bundesregierung, forderte Heinz Lechmann als Leiter des 1963 gegründeten Referates für die Dokumentation im Bundesministerium für wissenschaftliche Forschung (später BMFT) in seinen Thesen zur nationalen Informations- und Dokumentationspolitik bereits die Schaffung und staatliche Finanzierung einer flächendeckenden Informationsinfrastruktur und betonte dabei die besondere Bedeutung der Ausbildung von Dokumentarinnen und Dokumentaren, die an einem zentralen Lehrinstitut etabliert werden sollte.

Trotz aller Vorbehalte gegenüber einer vom Bibliothekswesen unabhängigen Ausbildung gelang es im Laufe der folgenden Jahre, am LID ein tragfähiges Konzept für berufsbegleitende Ausbildungsgänge auf allen drei Laufbahnebenen des öffentlichen Dienstes (und damit doch angelehnt an die traditionellen Ausbildungswege im Bibliotheks- und Archivwesen) zu entwickeln. Es wurden Lehrgänge für Dokumentationsassistenten, diplomierte Dokumentare und Wissenschaftliche Dokumentare angeboten. Etwa zeitgleich wurde in der ehemaligen DDR mit berufsbegleitenden und postgradualen Studiengängen am Berliner Institut für Bibliothekswissenschaft und wissenschaftliche Information (IBI) und am Institut für Informationswissenschaft, Erfindung und Recht (INER) in Ilmenau die Ausbildung von Fachinformatoren begründet. In der Bundesrepublik verblieb die Ausbildung der Wissenschaftlichen Dokumentare und Dokumentationsassistenten bis zu dessen Auflösung am LID, während die Ausbildung der diplomierten Dokumentare Ende der siebziger Jahre vom LID aufgegeben und mit der Gründung entsprechender Studiengänge nach und nach an die Fachhochschulen überging.

Die Arbeit des LID als zentrale, nichtstaatliche Ausbildungseinrichtung wurde von Beginn an von zwei zentralen Problemen überschattet: Zum einen blieb das Bemühen des LID und seiner Träger, allen voran der DGD, um staatliche Anerkennung der Abschlüsse bis zum Ende ohne Erfolg. Erst die Gründung des Instituts für Information und Dokumentation (IID) an der Fachhochschule Potsdam brachte die staatliche Anerkennung für die Wissenschaftlichen Dokumentarinnen und Dokumentare. Im Jahr 1998 wurde schließlich mit der Aufnahme der neuen dualen Berufsausbildung der Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (FMI) auch für die ehemaligen Dokumentationsassistentinnen und -assistenten eine staatliche Anerkennung erreicht.

Das zweite Problem, das die Arbeit des Instituts während seiner gesamten Existenz beeinträchtigte, war die fehlende institutionelle und damit auch finanzielle Absicherung. Die Situation spitzte sich zu, als schließlich Ende der achtziger Jahre die Projektförderung durch das Bundesministerium für Forschung und Technologie (BMFT) auslaufen sollte. Alle folgenden Versuche, dem LID doch noch zu einer dauerhaften institutionellen Absicherung zu verhelfen, mussten mangels staatlicher Unterstützung und politischen Interesses zwangsläufig scheitern.

In dieser verfahrenen Situation gelang es Wolfgang Hempel, dem damaligen Leiter der Hauptabteilung Dokumentation und Archive des Südwestfunks (SWF), nach zahlreichen vergeblichen Interventionsversuchen auf der Ebene der Bundes- und Landesministerien dem gerade neu ernannten Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Hinrich Enderlein, die Zusage abzuringen, das LID in Potsdam weiterzuführen und für eine Basisfinanzierung zu sorgen. In der Konsequenz beschloss der Vorstand der DGD die Auflösung des LID zum Ende des Jahres 1991.

Satzung