GESCHICHTE / CHRONIK
Das nach der Wiedervereinigung neu gegründete Land Brandenburg errichtete durch Rechtsverordnung vom 22.11.1991 fünf Fachhochschulen. Grundlage bildeten das am 24.06.1991 verabschiedete Brandenburgische Hochschulgesetz sowie die "Empfehlungen zur Errichtung von Fachhochschulen in den neuen Ländern" des Wissenschaftsrates. Fachhochschulen hatten sich im Hochschulsystem der alten BRD wegen ihres praxisbezogenen Bildungsauftrags zunehmend den ihnen gebührenden Platz erobert. Einen entsprechenden Hochschultyp gab es im Bildungssystem der DDR nicht.
Potsdam erschien als Standort für die Einrichtung von Studiengängen mit überregionaler Bedeutung als Landeshauptstadt und mit der Anbindung an Berlin besonders geeignet, weil nur hier diesen Studiengängen Unternehmen und Institutionen als mögliche Partner zur Verfügung stehen. Eine Ausrichtung auf nichttechnische Fächer und eine Zusammenstellung, die an keiner anderen FH angeboten wird, war das Ziel. Das Studiengangskonzept musste dann in besonderer Weise auf die Zusammenarbeit der Studiengänge ausgelegt sein. Aus den Überschneidungsbereichen würde sich neues Potential für innovative Entwicklungen ergeben. Diese in der Gründungsphase angelegten Kooperationsfelder konkretisieren sich heute in den drei "Kompetenznetzen": Neue Medien und Wissensmanagement, Soziale und kulturelle Gestaltung der Gesellschaft und Brandenburgische Bau- und Kulturlandschaft.
Der Studienbetrieb an der FHP begann im Wintersemester 1991/92 mit 144 Studierenden im Fachbereich Sozialwesen: 74 neu immatrikulierte StudienanfängerInnen, 40 Studierende, die an der Fachschule "Prof. Gelbke" 1990 eingeschrieben und im 3. Semester waren, sowie 30 AbsolventInnen der Fachschule zur Nachdiplomierung. Die Professoren Helmut Knüppel, Margret Henke und Walter Karberg unterrichteten die Studierenden in den Räumen der Berufsschule des Autobahnkombinates Neufahrland. Eine Turnhalle diente als Vorlesungssaal, vier Klassenzimmer als Seminarräume.
Gründungsdekanin des FB Sozialwesen wurde Prof. Dr. Margret Henke. Minister Enderlein berief im Dezember 1991 den Gründungssenat der FHP, der die Aufgaben der zentralen Hochschulorgane in der ersten Phase wahrnahm. Gründungsrektor und Vorsitzender des Gründungssenates wurde Prof. Dr. Helmut Knüppel. In der ersten Sitzung am 17. Dezember erhielten die Mitglieder ihre Berufungsurkunden durch Staatssekretär Prof. Dr. Dittberner.
Im Wintersemester 1992/93 nahmen im FB Architektur 45 Studierende, im FB Bauingenieurwesen 33 Studierende, im FB Design 39 Studierende und im FB Archiv-Bibliothek-Dokumentation acht Studierende ihr Studium auf. Von den insgesamt 317 Immatrikulierten waren 210 Frauen. 247 Studierende kamen aus den neuen, 67 aus den alten Bundesländern. Während im Juni 1992 nur fünf Professoren berufen waren, lehrten im Juni 1993 bereits 21. Die Zahl der Beschäftigten insgesamt stieg von 14 auf 83.
Der Gründungssenat schuf die Voraussetzungen für die ersten ordentlichen Gremienwahlen. Konzil und Senat sowie die Fachbereichsräte nahmen im Dezember 1993 ihre Tätigkeit auf. Im Januar 1994 wurden Prof. Dr. Helmut Knüppel als Rektor sowie Prof. Bernd Steigerwald als Prorektor für Studium und Lehre gwählt, später Prof. Dr. Jelena Jamaikina als Prorektorin für Forschung und Entwicklung. Kanzler Volker Bley war bereits im März 1993 bestellt worden.
1995 wurde der Studiengang Restaurierung, der aus dem Bereich "Restaurierung in der Denkmalpflege" der ehemaligen "Fachschule für Werbung und Gestaltung" entstand, in den Fachbereich Architektur integriert. Der Studiengang Kulturarbeit nahm ab WS 1995/96 zunächst als BLK-geförderter Modellstudiengang seine Arbeit auf und immatrikulierte 25 Studierende.
Bei den Neuwahlen 1998 wurde Prof. Dr. Helmut Knüppel erneut zum Rektor gewählt, Prorektoren wurden Prof. Dr. Harry Hermanns, Prof. Dr. Dagmar Jank und Prof. Klaus Landwehrs.
Aufgrund des neuen Brandenburgischen Hochschulgesetzes endete das 3. Rektorat bereits nach zwei Jahren. Zum 1. Januar 2001 trat Prof. Dr. Helene Kleine das Amt als neugewählte Rektorin an. Seit 1995 an der Hochschule, war sie als Professorin für kulturellen und sozialen Wandel, Gründungsbeauftragte des Studienganges Kulturarbeit. Mit einem rauschenden Fest am 17. Januar 2001 im Potsdamer Nikolaisaal ehrten die Hochschule, Freunde und Wegbegleiter den scheidenden "Aufbaurektor" Helmut Knüppel und läuteten den Generationswechsel zu Helene Kleine ein.
Im neuen Jahrtausend ist mit dem Abschluss von Zielvereinbarungen zwischen Studiengängen bzw. Fachbereichen und der Hochschulleitung der Evaluationsprozess in die abschließende Phase getreten. Die Diplomstudiengänge werden zügig modularisiert und in einigen Studiengängen werden Bachelor- und Masterabschlüsse eingeführt. Die Hochschule will mit den Zielvereinbarungen insbesondere Qualitätssteigerungen in der Beratung der StudienbewerberInnen und der Betreuung der StudentInnen und AbsolventInnen erreichen. Dazu wurden die Career-Service-Aktivitäten der Studiengänge und Fachbereiche wie auch der Institute und der Verwaltung vernetzt. Die sog. Schlüsselqualifikationen erhielten ein stärkeres Gewicht, indem Gründerwissen, soziale und methodische Kompetenzen in den Lehrplänen verankert und unter dem Stichwort "Managementkompetenz" fächerübergreifend angeboten werden. Mit den Zielvereinbarungen verfügt die Hochschule über ein Steuerungsinstrument, das in der Binnenwirkung die Autonomie der Akteure stärkt und durch regelmäßige Berichte für Transparenz von Entscheidungen und Entwicklungen sorgt. Nach außen stärken die Ergebnisse der externen Evaluation und die hochschulinternen Zielvereinbarungen die Position der Hochschule im Wettbewerb.
2003 war für Potsdam das Jahr der Wissenschaft. Mit dem Themenjahr "Potsdam 2003 – Stadt der Wissenschaft" verbanden die Hochschulen und Wissenschaftseinrichtungen gemeinsam mit der Stadt die Absicht, die Wissenschaft und ihr enormes Potenzial in Potsdam, aber auch in der Region, in der Öffentlichkeit zu verdeutlichen. Mit einer Vielzahl von Veranstaltungen und Publikationen stellten die Wissenschaftseinrichtungen ihre Forschungen und Projekte vor. Dabei wurde das "Schaufenster" der Fachhochschule in der Friedrich-Ebert-Straße zu einem besonderen Ort: aus einem ehemaligen Sportbekleidungsgeschäft wurde ein beliebter zentraler Veranstaltungsraum in der Stadt, der von den Partnern der Hochschule ebenso gern frequentiert und genutzt wird wie von den Studierenden.
Seit der Gründung der Hochschule wurden ProfessorInnen und Studierende mit einer ›Vielzahl von Preisen ausgezeichnet, die neben vielem anderen ein greifbarer Beleg für die Qualität der Lehre und angewandten Forschung an der Fachhochschule Potsdam sind.
Der Campus Fachhochschule
Die Standortfrage zieht sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der FHP, beginnend mit den Sitzungen des Gründungssenats. Zunächst galt es, den Übergangsstandort im ehemaligen Institut für Lehrerbildung am Alten Markt in der Friedrich-Ebert-Straße herzurichten, dann begann das lange und zähe Ringen um den Campus an der Pappelallee.
Ende des 19. Jahrhunderts waren fünf Regimenter in Potsdam kaserniert, deren Kasernenanlagen alle erhalten blieben. Der Campus der FH Potsdam entsteht auf einem dieser Kasernengelände auf dem Bornstedter Feld im Norden Potsdams. Das Bornstedter Feld galt Mitte des 18. Jahrhunderts als größter Exerzierplatz der Garnison. Auf einem Teil dieses Geländes fand 2001 die Bundesgartenschau statt, seitdem besteht hier ein Volkspark.
Anfang des 20. Jahrhunderts wurde das Kasernengelände an der heutigen Pappelallee angelegt. In der 1935 errichteten "Adolf-Hitler-Kaserne" war das 2. Bataillon des 9. Infanterieregiments stationiert, im Volksmund "Graf Neun" genannt, da hier viele Adelige dienten. Henning von Tresckow, eine der Schlüsselfiguren des Widerstands vom 20. Juli 1944 und der spätere Bundespräsident Richard von Weizsäcker gehörten dazu. Nach dem Ende des 2. Weltkrieges plante die Stadt 1947, Wohnungen und Industriebetriebe anzusiedeln. Dieser erste Versuch einer Konversion wurde jedoch nicht realisiert, da sowjetische Truppen das Gelände weiterhin militärisch nutzten. Bis zum Abzug der russischen Truppen 1993 blieb das Gebiet verschlossen.
Die Fachhochschule Potsdam öffnet daher mit ihrem Campus eine "terra incognita". Ziel der Konversion ist die Schaffung eines neuen Stadtteils, in dem die Hochschule ein zentraler Bereich sein wird. Der Campus liegt im Übergang und Spannungsfeld zwischen altem Stadtzentrum und neuem Stadtquartier, das auf dem Bornstedter Feld entsteht.
Im November 1993 beginnt der Umbau der ehemaligen Mannschaftskasernen. Am 13. April 1994 eröffnet der damalige Wissenschaftsminister Dr. h.c. Hinrich Enderlein den Campus und die Fachbereiche Architektur; Bauingenieurwesen und die Zweigbibliothek beziehen Haus 4. Der Fachbereich Design nimmt im Juli 1994 Haus 5 in Betrieb.
"Schäfchen. Die Ordnung der Bilder", die erste Ausstellung auf dem neuen Campus, unter Leitung von Prof. Gisela Scheidler, Professorin für Fotografie am Fachbereich Design, wird am 06. Oktober 1994 in einer der Panzerhallen (eigentlich zu militärisch genutzten Fahrzeughallen umgebaute Pferdeställe) eröffnet.
Studieren statt exerzieren ist jetzt angesagt, und jeder kann sehen, was hier passiert. Im Laufe des Jahres 1995 werden zwei weitere Mannschaftskasernen umgebaut. Der Studiengang Kulturarbeit, die Hochschulleitung und -verwaltung ziehen ebenfalls auf das neue Gelände. Die "Panzerhallen" werden zu provisorischen Laboren und Werkstätten.
Im Mai 1997 liegen die Ergebnisse eines Architekturwettbewerbes für den Campus vor. Zum Wintersemester 1999/2000 werden das ehemalige Wirtschaftsgebäude mit markantem Wach- und Uhrenturm und der erste Neubau auf dem Gelände, das Internationale Begegnungszentrum der Wissenschaften Potsdam, bezugsfertig. Die Grundsteinlegung für das neue Labor- und Werkstattgebäude findet am 21. Dezember 2000 statt. Am 04. Juni 2003 feiern die Studierenden und Lehrenden mit Freunden und Partnern der Hochschule endlich die Eröffnung des Labor- und Werkstattgebäudes. Mit mehr als 6000 m2 Nutzfläche ergeben sich mit dem Labor- und Werkstattgebäude für Studierende und Lehrende aus den Bereichen Bauingenieurwesen, Architektur und Städtebau, Restaurierung und Design deutlich verbesserte Arbeitsbedingungen. In Studios für Rapid Prototyping, Foto, Sieb- und Buchdruck, in Modellbauwerkstätten, Werkstätten und Laboren für Holz-, Wand- und Steinrestaurierung, Werkstofflaboren und Prüfhallen tun sich ganz neue Möglichkeiten für die Lehre, aber auch für Forschung und Entwicklung auf.
Das neue Haus wurde von Prof. Dr. Johanna Wanka, Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Klaus-Dieter Kablitz, Leiter des Liegenschafts- und Bauamtes Potsdam, Prof. Dr. Helene Kleine, Rektorin der Hochschule, dem Kanzler der Hochschule, Volker Bley und den Architekten Becher & Rottkamp feierlich eröffnet. Prof. Dr. Kleine betonte in ihrer Ansprache insbesondere die Verbesserungen für die Forschung, die die neuen Labore und Werkstätten bieten: "Damit werden auch die Möglichkeiten zu Kooperationen mit der Wirtschaft und anderen Einrichtungen größer. Gemeinsame Forschungsprojekte, der Transfer von Forschungsergebnissen, besonders aber die praxisorientierte Lehre können wesentlich vertieft werden. Die weiteren Planungen auf dem Campus sehen als erstes das Hauptgebäude mit Bibliothek, Hörsälen, Theaterwerkstatt und Mensa vor. Nach Fertigstellung der angebauten Fachbereichshäuser an das Labor- und Werkstattgebäude werden die bestehenden Häuser umgebaut. Anschließend können alle, die bis dahin in der Friedrich-Ebert-Straße waren, ebenfalls auf den Campus ziehen. Auf dem Campus sind Freiversuchsflächen für den Fachbereich Bauingenieurwesen geplant. Das Casino soll als Kommunikationsort erhalten bleiben, zugleich werden hier ein studentisches Gründerzentrum und die Werkstatt für Metallrestaurierung entstehen. Ein anspruchsvolles Programm, und wir freuen uns darauf, es zu verwirklichen!"
letzte Änderung: 29.10.2009 ›Patrizia Reicherl ›Impressum ›Druckversion

